Zeitreise. Der Podcast

Sci-Fi Hörspiele: Zukunft aus dem Radio

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Roboterstimmen, Raketenlärm und Zukunft aus dem Lautsprecher: In dieser Folge tauchen wir in die Science-Fiction-Hörspiele des Deutschschweizer Radios der 1950er bis 1980er Jahre ein. Lange bevor Videocalls, künstliche Intelligenz oder Space Travel Realität wurden, entstanden futuristische Klangwelten – nur mit Stimmen, Geräuschen und Fantasie.

Gemeinsam mit dem Historiker Felix Wirth sprechen wir darüber, wie Zukunft während des Kalten Krieges akustisch erfunden wurde – und warum diese Hörspiele oft mehr über die Ängste, Hoffnungen und Fantasien ihrer Gegenwart erzählen als über das Morgen selbst.

Zum Buch von Felix Wirth: https://www.transcript-verlag.de/author/wirth-felix-143899/

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00:02
«Zeitreise», der Podcast, der die
Vergangenheit hörbar macht.

00:06
Mit Ausflügen in unbekanntere
Kapitel der Geschichte.
Vorwärts und rückwärts durch
das 20. Jahrhundert.

00:13
Und über Umwege vom kleinen Details
zum grossen Ganzen.
Ich bin Barbara Miller.

00:17
Und mein Name ist Simone Rees. 

00:39
Wir alle kennen diese Töne.
Sobald diese akustischen Signale ertönen, wissen wir sofort, dass irgendwer irgendwas
online von uns will.
Spätestens seit der globalen Covid-Pandemie sind Bildtelefonie oder Videokonferenzen
ein fester Bestandteil von unserem Alltag.
Und die entsprechenden Töne, Signalklänge, akustischen
Ankündigungen haben sich fest in unseren Ohren verankert.

01:02
Vor über 50 Jahren, als Videotelefonie noch Zukunftsmusik war, hat man sich beimDeutschschweizer Radio vorgestellt, dass diese Kommunikationsgeräte vor
Zukunft ungefähr so klingen könnten.

01:18
Das Fernsehtelefon. Liebling.
Soll ich einschalten?
Nein, danke. Du kannst in die Küche gehen.

Jawohl, Liebling.

McCallen, Sie sind es. Was wollen Sie denn?

Endover, schalten Sie das Bild ein.
Sind Sie allein?

01:36
Ja, ihr merkt es vielleicht schon: Heute beschäftigen wir uns in diesem Podcast mit einem etwas abgespaceden Thema.
Abgespaced erstens, weil wir uns mit Quellen auseinandersetzen, die eher selten von der Geschichtswissenschaft angeschaut werden, nämlich mit Tönen.
Also quasi, wie hat es in der Vergangenheit getönt?

01:55
Gleichzeitig ist die heutige Folge abgespaced,  weil wir uns das nämlich in einem ganz spezifischen Gebiet anschauen werden.  Und zwar im Kontext von Science-Fiction-Hörspielen im Deutschschweizer Radio.  Also wir gehen eigentlich eher der Frage nach, 
wie klang die Zukunft in der Vergangenheit? Wie stellte man sich vor, dass die Zukunft akustisch aussehen könnte? Also beispielsweise: Wie könnte ein technisches Gerät zur Videotelefonie klingen,  das es damals ja noch gar nicht gab.

02:27
Es ist heute eine Podcast-Folge, auf die
wir uns beide sehr fest gefreut haben.
Zum einen, weil wir heute wirklich
einmal die Möglichkeit haben,
euch Quellenbeispielen zu zeigen.
Also die Untersuchung von historischen
Tönen, von historischen Klängen,
bietet sich für ein Audioformat
ja geradezu an.
Und andererseits auch, weil wir heute
eben über ein Beispiel reden,
das die extreme Vielfalt der historischen
Forschung aufzeigt.

02:50
Und wir dürfen die heutige Folge zusammen
mit dem Felix Wirth gestalten.
Er hat nämlich das Thema in seiner
Dissertation aufgearbeitet.
Heute ist er Leiter der Ausstellung und
Vermittlung im Museum "Enter Technikwelt"
in Solothurn.
Felix, ganz herzlich willkommen.

03:07
Felix, wir drei kennen uns
ja schon länger.
Wir haben zusammen an der Universität
Fribourg promoviert
und wir haben deinen Forschungsprozessen
relativ eng mitverfolgen dürfen.
Und für Simone und für mich und wahrscheinlich
für das ganze Team Zeitgeschichte,
wenn wir ehrlich sind, ist es immer ein
bisschen ein Highlight gewesen,
wenn du deine Forschung präsentiert hast.
Denn dann haben wir immer gewusst,
heute gibt es wieder spannende und oft
auch sehr unterhaltsame Quellen-Beispiele
zu hören.
Insofern freuen wir uns wirklich sehr,
dass wir dich hier heute
begrüssen dürfen.

03:35
Merci vielmals, dass ich hier mit euch
ein Gespräch führen darf.

03:41
Ja, die Frage ist natürlich ein
bisschen abgedroschen,
aber bei dir drängt sie sich
fast ein bisschen auf.
Wie zum Henker bist du auf
das Thema gekommen?

03:51
Ich habe seit dem Masterstudium schon ein
bisschen vorher beim Radio gearbeitet,
und zwar als Praktikant im Archivbereich.
Es hat dann noch Dokumentation
und Archiv geheißen,
D und A. 
Und habe dort Sendungen erfasst,
archiviert,
und habe dort natürlich sehr
viel Radio gehört,
historisches Radio,
historische Sendungen.
Und habe deshalb schon meine Masterarbeit
zu Radiosendungen geschrieben,
weil mich das einfach fasziniert
hat als Quellenmaterial,
das man so ja nicht so gekannt hat 
Das war eben 2011, 2012, in dieser Zeit.

Und gleichzeitig habe ich immer auch
noch selber Musik gemacht,
produziert,
viel mit Sounddesign gemacht,
mit abgespacten Sounds gearbeitet
und so weiter.
Also hat mich das schon immer
ein bisschen fasziniert.
Und meine Masterarbeit habe ich gemacht,
zur Berichterstattung,
über verschiedene Afrika-Sendungen,
damals am Radio, so seit den 1930er-Jahren.
Ich bin der Frage nachgegangen
wie hat man eben Gesellschaften,
Städte, Tiere auf dem afrikanischen Kontinent porträtiert aus einer Schweizer Sicht. 

05:04
Und das war echt eine coole Arbeit,
aber für mich auch, ja wie belastend, 
weil es einfach,
ja, es ist in dem Sinne auch nicht
so eine schöne Geschichte,
oder es ist sehr,
es geht eben auch um Diskriminierung,
um Afrika-Bilder, die aus heutiger Sicht auch nicht mehr haltbar sind. 
Und ich muss sagen,
in der Geschichtswissenschaft
hat mich das eigentlich immer schon
so ein bisschen belastet.
Man setzt sich ja eigentlich mit sehr,
auch zu Recht,
problematischen Geschichten auseinander.
Man schaut ja eigentlich nicht,
oder selten an,
was auch gut ist,
sage ich jetzt mal so,
salopp gesagt.
Aber ich habe einfach gedacht,
für die Diss
das würde ich glaube ich nicht, ja prestieren, 
wenn es so ein sehr, sehr, ja belastendes Thema ist. 
Und das ist das eine,
also dass ich so ein bisschen dort etwas,
mich interessiert habe, für etwas, das ein bisschen leichter ist 
Einerseits.

05:50
Und andererseits,
ich bin jemand, der bei meinen Arbeiten von den Quellen aus ging.
ich habe immer geschaut, was ist eigentlich da. 
Und das ist vielleicht auch nicht das beste Vorgehen aber so habe ich es halt gemacht. 
Ich habe nicht geschaut, was interessiert mich eigentlich so genuin,
sondern was ist an Material vorhanden?
Und das ist natürlich das Hörspiel die bestdokumentierte Sendung beim Radio. 
Das heisst, Hörspiele hat man, 
wenn sie nicht live gesendet worden sind,
möglichst aufbewahrt, zusammen mit Hörerzuschriften mit Sendemanuskripten. 
Und das ist bei anderen Sendungen, bei anderen Formaten nicht der Fall. 
Also es hat ganz andere Interessante
gegeben,
also zum Beispiel die "Weltchronik" von von Salis, die absolut spannend und unerforscht ist. 
Aber die gibt es einfach nicht mehr. Die ist nicht aufgezeichnet.
Also beziehungsweise hat man viel Material wieder überschrieben und so wiederverwendet. 
Und so hat sich das ein bisschen ergeben, 
dass das Hörspiel einfach sehr gut dokumentiert ist in den Archiven vom SRF. 
Und da habe ich natürlich etwas gesucht, was mich dort auch interessiert. 
Und ja, sage ich jetzt mal so. 
was natürlich ein sehr großes Genre war, sind die Dialekthörspiele. 
also all die Gotthelf-Stücke und so
Das wäre auch spannend gewesen.

06:56
Und das hätte dich nicht so interessiert.

06:57
Seien wir ehrlich. 

06:58
Also, ich habe vorhin gesagt, 
das wäre natürlich auch ein Blick auf eine unbeschwerte Geschichte.
Auf jeden Fall bin ich dann auf Hörspiele gestossen , die ich überhaupt nicht kannte, 
die ich noch nie gehört habe.
Die aber auch Reaktionen in den Zeitungen ausgelöst haben
Ich habe dann noch etwas dazu recherchiert
Ja,
und da hat mich das einfach fasziniert, 
so etwas
eben utopisch, futuristisches, 
aber eben, wie du gesagt hast, in der Vergangenheit. 
Also so ein bisschen
eben: Die Geschichte der Zukunft
Und das so im Auditiven.
Ja, aber eben, es ist abgespaced, wie ihr gesagt habt.
Das war es von Anfang an. 
Genau.

07:34
Also definitiv abgespaced. 
ja wir versuchen das jetzt ein bisschen aufzudröseln oder aufzurollen in diesem Podcast
Und vielleicht fangen wir an
mit dem Medium Radio.
Vielleicht kannst du uns ganz kurz mitnehmen in die Radiowelt im 20. Jahrhundert: 
welchen Stellenwert hatte das Radio in der Medienlandschaft?
vielleicht auch: Was sind die Spezifika vom Schweizerischen Rundfunk?
wie hat sich das entwickelt im 20. ... 
Oder jetzt in deinem Untersuchungszeitraum von der Zwischenkriegszeit bis in die 1980er Jahre, 
Schweizer Rundfunk, was war da wichtig? Was muss man wissen? 

08:08
Ich glaube, das Wichtigste ist, 
dass das Radio ein neues Medium war, bei dem sich 
die Neuartigkeit des Mediums mit der neuen Technik ein bisschen verknüpft hat
also es gibt eine neue Technologie und dadurch dann auch neue Formate
Das ist natürlich ein sehr anregendes und fruchtbares Umfeld, in dem ein solches Medium gedeihen kann. 
Nur ganz kurz: Das Radio ist entstanden aus der Telegraphie.
Die Telegrafie war im 19. Jahrhundert die Kommunikationstechnologie, 
die drahtgebunden war, also Punkt zu Punkt
Und dann auch Telefonie,
wo man reden konnte.
Und dann kam um die Jahrhundertwende die drahtlose Telegraphie hinzu
Oder Radiotelegrafie.
Und das hat es ermöglicht ohne Draht zu kommunizieren. 
Wurde dann vor allem im Funk wichtig, Funk mit der Titanic zum Beispiel. 
Und man hat dort noch gar nicht so daran gedacht was eigentlich mit dieser Technologie alles möglich ist. 
Bis dann in die 1910er Jahre Geräte entwickelt wurden
die es möglich machten, die ausgestrahlten Botschafter nicht nur auf einem Endgerät zu empfangen sondern auf vielen.
Und das ist dann so das "one-to-many-Prinzip"
also von einem Punkt zu ganz vielen. 
Und von dort kommt auch das Wort "Broadcast".
"Broadcasting" Ist ein Ausdruck aus der Landwirtschaft, der „breites Aussähen“ bedeutet. 
Also das breite Ausstreuen von Informationen und nicht mehr Punkt zu Punkt. 
Das ist von der Medienlogik her ein ganz neues Phänomen.

09:32
dass man jetzt seit den 1920er Jahren... 
eine Station kann tausende von Hörerinnen und Hörern bedienen 
Potenziell kann man sehr sehr viele Leute erreichen und das hat natürlich eine Art Goldgräberstimmung ergeben. 
Man hatte ein Pionierzeitalter auch in der Schweiz.
Die Schweiz war eine der ersten Nationen, die sich mit Rundfunk beschäftigt hat in Europa.
Die ersten Sender, die waren in Lausanne. Die wurden Anfang der 1920er Jahre in Betrieb genommen.
und zwar auf private Initiative um den Flugverkehr zwischen Paris und Lausanne zu regeln
Also dort eben noch sehr an die telegrafische Funktionsweise gebunden.
Aber in den Stunden, in denen nicht geflogen wurde, hat man angefangen 
Sendungen zu machen beziehungsweise Musik zu senden .
Und das konnten Leute empfangen, die so einfach gebaute Radios hatten.
Man konnte in den 1920er Jahren schon sehr einfache Geräte bauen
so Detektorempfänger, die ohne Stom auskamen, 
welche die elektromagnetischen Wellen wieder in Schall umwandeln konnten

10:29
Ja, so hat das angefangen. 
Man hat dann in den 1920er Jahren in Bern, in Basel und in Zürich Studios gegründet
eben zuerst aus privater Initiative. 
Dann hat man aber recht schnell gemerkt - 
und das ist auch das Interessante an diesem Medium - 
man hat gemerkt, okay, es braucht wie den Staat, 
der
Das ist eine ganz andere Logik als Literatur oder Kino
wo alles privat ist. 
Man kann sagen, beim Radio brauchte man den Staat, weil Sendeinfrastruktur sehr teuer ist
also die Sendemasten.
Einerseits und andererseits gab es ein Wirrwarr im Äther, mit den Bandbreiten, mit den Frequenzen
und das hat man recht früh schon regeln müssen. 
Es gab dann internationale Konferenzen, auf denen geregelt wurde, 
wer darf auf welchen Frequenzen senden. 
Und dafür brauchte es natürlich die Regierung, 
es konnten keine Privaten am Verhandlungstisch auftreten. 
Ja, und so begann der Staat im Laufe der 1920er Jahre Einfluss zu nehmen, 
und begann die Radios zu konzessionieren. 
Das heisst,
in der Schweiz hat man wie bei der BBC ein Service-Public Modell aufgefahren, 
das heisst, die Dienstleistung ist öffentlich, ist aber konzessioniert,  
der Auftrag kommt von der Regierung. 
Aber die Umsetzung liegt dann bei einem Verein und dieser Verein ist die SRG 
die 1933 definitiv gegründet wurde und die Radiostudios zusammengefasst hat 
Das ist zwar alles noch vor meinem Untersuchungsgegenstand, aber ist für die Logik des Mediums sehr wichtig
denn ich untersuche ja etwas Spezielles, und zwar eine Kunstform des Radios

12:04
Normalerweise sind ja Kunstformen wie zum Beispiel der Film oder die Literatur,
die sind viel weniger an den Staat gebunden, sage ich mal.
Das sind irgendwelche Autorinnen und Autoren, die eine Geschichte schreiben
und dann gibt es einen Verlag, der sie gut findet oder nicht. 
Aber beim Radio sind es ganz andere Akteure, die da am Hebel sind und das prägen.
Und eben die Konzession ist sehr wichtig, 
weil in dieser Konzession, die der Bundesrat an die SRG gibt zum Betreiben von Radiosendern heisst es eben, 
dass es gewisse Werte muss beinhalten. 
Es hat einen Bildungsauftrag, es hat einen Informationsauftrag. Unterhaltung ist auch ein Thema. 
Und in diesem Spannungsfeld entsteht eben auch das Hörspiel mit gewissen...
Man kann nicht sagen: Auflagen. Es ist nicht ein Pflichtenheft im engeren Sinn.
aber es prägt einfach den Sendungsauftrag, das Auftragsbewusstsein, warum man überhaupt Radio macht.
Also man ist nicht einfach ein genialer Filmemacher oder eine geniale Filmemacherin
die eine Idee hat und Geld sucht und das in die Kinos bringt, 
sondern beim Hörspiel ist es einfach eine ganz andere Geschichte dahinter, ein ganz anderes Sendungsbewusstsein. 

13:07
Vielleicht zu den Meilensteinen dann in meinem Untersuchungszeitraum: 
die 1930er Jahre sind natürlich geprägt von der geistigen Landesverteidigung, das heisst:
Radio ist ein spannendes Phänomen, weil es natürlich nicht an den Landesgrenzen halt macht
man kann mit Geräten Sendungen – gerade in den 30er Jahren – aus dem ganzen europäischen Raum empfangen
Dadurch hörte man natürlich auch deutsche Sendungen in den 1930er Jahren
und da wusste man natürlich, dass das problematisch ist seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten
und begann deshalb das Radioprogramm auf diese sogenannten schweizerischen Werte zu trimmen
was das auch immer bedeutet hat. 
Aber es stand ganz klar in diesem Zeichen, 
dass man einen Kontrast setzen wollte gegenüber ausländischen Programmen.

13:50
Wurde das auch sanktioniert wenn man zum Beispiel deutsche Sender gehört hat?
Stand das unter Strafe?

13:57
Nein.
Umgekehrt schon, in Deutschland schon. 

14:00
Eben, von dort kenne ich es, aber in der Schweiz konnte man hören was man wollte?

14:02
Ja, genau.
Ja,
im Zweiten Weltkrieg wurde es dem Militär unterstellt.
Das Radio war dieser APF, Abteilung Presse und Funkspruch unterstellt.
in der Nachkriegszeit, man kennt es aus der Schweizer Geschichtsschreibung, 
stand es auch im Zeichen des Antikommunismus, des Kalten Kriegs. 
Es gab auch im Radio solche Fälle, dass Autoren, die Reisen ins Ausland gemacht haben
keine Aufträge mehr erhielten. 
Bekanntes Beispiel ist sicher Alfred Rasser, HD-Soldat Läppli, 
der dann keine Aufträge mehr erhielt, nachdem er auf einer China-Reise war.
Also gab es schon noch die Direktoren, die aus dieser geistigen Landesverteidigung gekommen sind, 
die waren auch in den 1950er Jahren prägend. 
Das ist halt ein Unterschied, in Deutschland kam nach 1945, eine neue Generation
von Autoren, von Hörspieldirektoren und so weiter und in der Schweiz hatte man diese Brüche nicht. 
Ja das sind sicher so die prägendsten... 

14:57
Dann in den 1960er/1970er Jahren: Pluralisierungen und die ganzen Studentenproteste. Das merkt man schon auch
Und vor allem das zunehmende Bedürfnis
nach mehr Unterhaltung.
Beromünster, das ist der
Sender gewesen, der
ist in Beromünster gestanden,
Kanton Luzern.
Der Landessender Beromünster ist auch für
viele Junge, so der Schnörri-Sender gewesen,
wo einfach so Ländler und irgendwas
Dialekt gebracht hat.
Und man wollte natürlich
auch in den 60er, 70er
Jahren neue Musikbeats, also Rock'n'Roll
und so weiter.
Und das ist auch ein schwieriger Spagat
gewesen für das Schweizer Radio.
Also wie kann man einem jungen Publikum
gerecht werden, wie einem älteren?
Und das ist so weit gegangen,
dass dann Ende
70er Jahre die ganzen Piraten-Sender
aufkommen sind.
Also die gab es auch schon früher,
auch schon in den 50ern.
Aber in den 70ern waren sie dann wirklich
ein grösseres Phänomen,
die wirklich auch Konkurrenz wurden, 
nicht nur der Schawinski, auch andere.
Der Druck ist so gross geworden, dass man
eben das Monopol hat gebrochen.
Man hat versucht, mit DRS3 dem noch
etwas entgegenzusetzen.
Es war aber in dem Sinne schon
zu spät und dort ist
dann der Radiomarkt geöffnet
und privat zugelassen.
Und dort hört meine Untersuchungszeit
auch auf, mit dem Bruch vom Monopol,
dass es nicht nur noch das
Deutsch-Schweizer
Radio senden darf, sondern
auch noch andere.

16:08
Musik

16:19
Völlig faszinierend.
Also die längeren Entwicklungen,
die wir ja auch
heute in unserem Alltag noch
nach wie vor spüren
oder damit konfrontiert werden.
Vielleicht können wir jetzt
kurz auf die Kunstform
eingehen, die du eben ins Visier
 genommen hast.
Also die Hörspiele sind eben
als Unterhaltungsformat
im ganzen 20. Jahrhundert sehr
beliebt bei den Hörenden
und ihnen werden dementsprechend auch 
viel Platz im Sendeprogramm zugewiesen.
Hörspiele, vielleicht kurz zur Erklärung,
sind akustische Inszenierungen
von Geschichten.
Also man hat verschiedene Sprecher:innenrollen,
man integriert Geräusche und Musik,
aber ganz ohne visuelle Hilfsmittel.
Kann man das ungefähr so zusammenfassen,
Felix?

17:05
Ja, ich denke, eben ein wichtiges Element
ist die Dramatisierung.
Man dramatisiert einen Inhalt.
Was mich immer ein bisschen gestört
hat, ist, wenn ich Leute,
die sich nicht so mit dieser Materie beschäftigen, 
gesagt habe,
ja, ich untersuche Hörspiele,
haben sie gesagt: „Ah ja das höre ich auch sehr viel. So Hörbücher.“
Und da musste ich immer erklären: Ein Hörbuch ist kein Hörspiel.
Ein Hörspiel ist wirklich
eine Dramatisierung.
Das ist mit eben Hörspielerinnen und Hörspielern,
das sind aufwendige Produktionen.
Und das Hörbücher ist jemand,
der einen Text vorliest.
Ich denke, das Dramatisieren ist
ein wichtiger Prozess,
eben für die Anregung der Fantasie,
der Einsatz, wie du gesagt
hast, von Musik,
von elektroakustischen Manipulationen.
Interessant ist,
dass das Hörspiel,
eines der ersten Senderformaten
war in den 20er Jahren,
und man muss sich vorstellen, man hat
plötzlich ein neues Medium gehabt,
ein völlig neues Medium, ein
elektrisches Medium.
Und im Hörspiel sah man sehr grosses Potenzial,
dass man jetzt eben mit dem ganz
viele Leute erreichen kann
und ganz tolle Geschichten
schreiben kann.
Kein Zufall und es sind auch gerade
Katastrophenhörspiele gewesen,
vom Inhalt her, am Beliebtesten waren und die ersten Stücke waren. 

18:16
Also das erste Hörspiel überhaupt, ist
von der BBC gesendet worden,
das war von einem Minebunglück, wo
Mineure verschüttet werden
und in völliger Dunkelheit nachher
nur noch mit einem Sender,
verbunden sind mit der Aussenwelt.
Und das ist natürlich unheimlich
gut angekommen.
Das zeigt natürlich auch gerade schönes
Potenzial von einem Hörspiel,
da man ist im Dunkeln, man
ist gefangen in der Mine
und hat nur noch das Mikrofon zu
der Aussenwelt sozusagen.
Genau.
Vielleicht noch zur Definition Hörspiel.
Gerade in meiner Diss habe ich 
immer unterschieden
zwischen Original-Hörspiel und Adaption.
Also das Original-Hörspiel ist ein Stück,
das extra für ein Radio geschrieben
worden ist.
Und die Adaption ist etwas,
das meistens von den Regisseuren, Regisseurinnen
gemacht worden ist,
wo man ein Stück genommen hat und draus
ein Hörspiel gemacht hat.
Also zum Beispiel aus den Geschichten
von Jules Vernes
hat man dann ein Hörspiel adaptiert.
Was mich immer ein bisschen gestört hat,
ist auch dort, mein Thema ist ja auch
extrem nahe bei den Literaturwissenschaften.
Und dort wird zum Beispiel
die Adaptionen,
die sind lange Zeit nicht
angeschaut worden,
weil es eben nicht als originäre
Kunstform
angeschaut worden ist, sondern nur
Und eben da habe ich als Historiker natürlich
einen anderen Blick. Mich interessierte, 
was ist gesendet worden und nicht, was ist
eine "hohe Kunstform" und was ist nicht.
Das habe ich mich jetzt
schon ein bisschen
zurechtfinden müssen mit diesen Wertungen,
also das Bewerten von Texten.
Das war mir nicht so gewohnt, was so
gute Texte sind und was nicht.

19:40
Du hast es ja einleitend schon gesagt, du
bist von den Quellen ausgegangen.
Du hast quasi geschaut, was ist da.
Und eben bei dem Sendeformat Hörspiel
beim Deutschschweizer Radio
sind ja Science-Fiction-Geschichten
häufig gesendet worden.
Sie waren durchaus beliebt.
Jetzt muss man vielleicht ganz kurz
erklären, was Science-Fiction ist.
Also was das eigentlich genau meint.
Also es ist klar, es geht um
eine fiktive Erzählung.
Das steckt ja schon im Namen drin.
Aber es geht um eine ganz spezielle Form.
Es geht um eine wissenschaftliche
Fiktion.
Also es ist eben nicht eine
Fantasy-Geschichte.
Es fliegen keine Drachen durch die Gegend
oder Hobbit oder so etwas.
Also es ist etwas, was theoretisch
möglich wäre in der Zukunft, oder?

20:20
Genau, ich denke, das ist das wichtigste
das wichtigste Unterscheidungskriterium,
und das ist auch bei mir,
beim Quellenkorpus
immer noch eine grosse
Challenge gewesen,
was qualifiziere ich als Science-Fiction
und was nicht.
Aber ich denke, der grösste Unterschied
zwischen Märchen und Science-Fiction
ist so die, wie wird das behauptet,
dass es möglich ist.
Und beim Märchen ist es so wie die Fantasie
oder eben die Magie, die es macht.
Man kann zaubern zum Beispiel, dass etwas
abweicht von der Realität.
Und bei Science-Fiction muss es klar naturwissenschaftlich
begründet sein,
oder eben so pseudo begründet.
Man muss das einfach imitieren, mit dem
wissenschaftlichen Chargon auch.

20:58
Die andere Schwierigkeit war,
Science-Fiction als Begriff ist natürlich
nicht seit den 20er, 30er Jahren
etabliert gewesen
beim Radio und ist auch so nicht in
den Quellen aufgetaucht. 
Man hat eher von Utopie gesprochen
oder vom utopischen Hörspiel.
Und auch dort konnte ich mit
Literaturwissenschaften
nicht so viel anfangen, wo
Science-Fiction sehr so
auf einer funktionalen Ebene definieren.
Also eben, es müssen gewisse
Elemente geben sein,
dass es Science-Fiction ist und
das ist eben das Novum.
Also man muss wie das Abweichen
von der Realität,
das Behaupten, dass es anders ist,
muss sehr technisch sein,
naturwissenschaftlich.
Da habe ich eher den historischen
Approach gehabt.
Ich habe grundsätzlich mal auch alles
als Science-Fiction angeschaut,
was sich selber so bezeichnet hat.
Also wenn ein Hörspielmanuskript sich
als utopisch bezeichnet hat,
dann habe ich es einfließen lassen
in meine Untersuchung,
auch wenn es dann nicht ein
Novum gehabt hätte,
so wie es vielleicht bei der
Science-Fiction-Forschung
oder auch bei der Literaturwissenschaft
der Fall wäre gewesen.

21:53
Science-Fiction, so wie wir
es ja heute kennen,
ist ja eigentlich ein Produkt vom
19. Jahrhundert, oder?
Also wo man sich mit der Aufklärung,
Industrialisierung,
Erkenntnissen von den Naturwissenschaften
vermehrt die Frage gestellt  hat,
was wird der technische Fortschritt
noch alles bringen
und was wird zukünftig überhaupt
möglich sein?
Und wenn wir hier in der
Literatur denken,
dann haben Autoren wie Jules
Verne oder H.G. Wells
die technischen Errungenschaften
zum Beispiel Dampfmaschinen
oder Hydraulik,
im Bereich vom Fantastischen versetzt
und dann von Unterseebooten oder
Zeitmaschinen gesprochen.
Aber sie haben sich eben auch
mit der Frage befasst,
was dieser Mensch zukünftig kann
und vor allem auch, wie weit
er darf gehen,
also ein Gefahrenszenario.
Ein Exemplar ist dafür sicher
Frankenstein,
wo von der Autorin Mary Shelley
als Mad Scientist inszeniert wurde,
also der die von ihm entfesselten Kräfte
nicht mehr beherrschen kann
und dementsprechend eine Bedrohung
darstellen.

22:55
Also wir sehen bereits früh,
Science-Fiction hat ja nicht unbedingt
eine gewollte oder eine gewünschte
Zukunft behandeln,0
sondern hat sich durchaus auch als
abschreckendes Beispiel
verstehen können, oder?
Also du hast ja vorhin auch gesagt,
viel der Begriff Utopie,
aber es ist ja nicht immer eine Utopie,
es hätte ja durchaus auch eine Dystopie
sein können, oder?

23:17
Genau.
Utopie oder Dystopie ist eher wie
die Bewertung vom Szenario,
das man skizzieren will.
Und genau, also viel,
was auch als Utopie angepriesen wurde,
ist im Grunde genommen etwas
Dystopisches.
Also das ist ja so,
in den meisten Fällen ist es sogar eher
ein dystopisches Szenario gewesen,
dass eben die Zukunft nicht gut wird sein
und immer mehr Blick natürlich
auf Gegenwart.
Und ich denke,
das ist schon ein Phänomen,
wo man, wie du gesagt hast,
seit dem 19. Jahrhundert schön
beobachten kann,
wo aber auch heute sehr,
wo man sehr anschaulich sieht mit KI,
ist das Erste, was man immer auch denkt,
ist, was sind Gefahren,
wie wird sich das entwickeln,
man skizziert Schreckensszenario
und ich denke,
das ist etwas,
was sich der Technikgeschichte
auch zieht,
oder die Angst beim Einsatz von
neuen Technologien.
Eben typisch auch,
dass man so vermeintlich vulnerable
Personengruppen
auch gerade in Schutz nehmen will.
Also jetzt gerade bei KI oder TikTok
tut man schnell überlegen,
dass man das Jugendliche nicht
zumuten darf.
Wir haben eben schwangere Frauen
durften auch nicht Eisenbahn fahren
oder Dampfschiff fahren am Anfang.

24:23
Also wirklich?

24:26
Weil man einfach gesagt hat,
das ist zu gefährlich oder
zu nervenaufreibend,
und beim Radio ist auch spannend,
oder die Gefahr des Vielhörens
ist auch immer so ein Schreckensszenario gewesen,
dass man gesagt hat,
die Jugendlichen sollten nicht
zu viel hören,
weil das Vielhören,
das ist schädlich.
Also Radio soll man sehr gezielt hören,
wenn man nicht einfach so
im Hintergrund hat.

24:45
Sonst gibt es vierreckige Ohren.

24:48
Genau, so in dem Stil.
Und ich denke,
Dystopie muss man auch mit dem mitdenken,
dass man einfach,
man will wie so gegenwärtige,
negative,
oder vermeintlich negative Techniken,
Technologien,
wie eine Parabel,
wie das Märchen das ja auch macht.
Man will die schlechten Eigenschaften
von diesen Sachen zeigen,
von diesen Techniken.

25:11
Jetzt hat ja das Deutsch-Schweizer Radio
zwischen 1935 und 1985 91 Science-Fiction-Hörspiele selber produziert
und 11 Hörspiele als Originalproduktionen
von anderen Sender ausgestrahlt.
Also es ist ja doch einiges.
Wenn man es so im internationalen
Kontext anschaut,
ist die Schweiz da ganz vorne
mit dabei gewesen,
oder ist Science-Fiction
in anderen Ländern
beliebter gewesen?
Wie ist das einzuordnen?
Und vielleicht auch die Frage,
welche Rolle spielen Schweizer
Autor:innen?
Also wir haben es schon gehört,
Science-Fiction gehört ja
durchaus zum Kanon
von der Literatur.
Grossen Namen, ich meine,
Jules Verne oder so
haben sich damit auseinandergesetzt.
Ist das eben nicht so mein Genre....
Hat es auch ein Schweizer gegeben,
die sich damit auseinandergesetzt haben?

25:51
Das ist eine gute Frage.
Also auch vielleicht vorab,
das ist auch nicht mein Genre.
Ich bin überhaupt nicht ein
Science-Fiction-Freak.
Ich schaue auch keine Filme oder so.
Das hat mich nie an sich angesprochen.
Ich habe das auch nicht wirklich
untersucht.
Das ist auch ein bisschen schade.
Das würde ich heute, glaube ich, auch anders designen. 
Ich würde heute die Fragestellung
auch mehr auf ein internationales
Setting anwenden.
Das habe ich eigentlich auch
ursprünglich gedacht.
Ist aber auch unheimlich aufwendig,
weil die ganze Quellenarbeit
schon in der Schweiz aufwendig ist.
In Deutschland ist es sicher
grösser gewesen,
weil Deutschland ist wie
in einer anderen Ausgangslage
nach dem Krieg.
Dort ist viel aufgebaut worden.
Es hat viele Möglichkeiten gegeben,
für Hörspiel-Schaffende
in diesen Berufen einzusteigen.
Es war auch noch eine Aufbruchsstimmung.

26:39
In der Schweiz....
Science-Fiction,
wie du gesagt hast,
es war sicher ein Genre,
das beliebt war,
das immer wieder gesendet wurde.
Aber jetzt verglichen mit der BBC
oder mit der ARD in Deutschland sicher weniger. 
Aber in den USA noch weniger, 
weil dort natürlich
kein Public Service war.
Also dort sind Privatradios gewesen
seit den 1920er Jahren, die hatten ein anderes Business-Modell
Und eben Hörspiel ist ein sehr teures Format
und Privatradios leisten sich das in der Regel nicht
Das gibt es meines Wissens nicht: Privatradios, die auch Hörspiele produzieren.
Das ist immer nur bei öffentlichen Anstalten. 

27:14
Es gibt aber private Verlagshäuser,
so wie der Europa Verlag,
der Hörspiel produziert.
Aber die,
es ist noch lustig,
ich habe die zum Teil auch einbezogen. 
Aber in meinem Untersuchungszeitraum hat es die noch nicht so gegeben auf dem Markt.
Das ist in den 80er Jahren.
Aber ich bin heute noch
in der Hörspieljury
vom Science-Fiction-Hörspielpreis.
Das ist so, im deutschsprachigen Raum gibt es den Kurd-Lasswitz-Preis. 
Der wird jedes Jahr für das beste Hörspiel vergeben 
Und zugelassen sind aber nur Radioproduktionen.
Und da merkt man auch das Denken, dass Hörspiel an Radio geknüpft ist 
Also von Podcasts oder Privaten werden keine Hörspieleingänge akzeptiert. 
Also der Preis ist noch sehr stark ans Hörspiel als radiofone Kunstform gebunden. 
Das zeigt einfach, dass für Viele gerade aus der älteren Generation, das zusammengehört.

28:08
Das habe ich mich vorhin noch gefragt: 
Audio-Formate haben gerade mit Podcasts wieder einen extremen Aufwind
Gibt es da auch Hörspiele? Ist das Teil von diesem Trend? 

28:17
Ja, also es gibt ja auch das Festival "SONOHR", das ist in Bern. 
Das verleiht jedes Jahr auch Preise und fördert das Hörspiel schaffen. 
Und da gibt es ganz viele, die aus privaten Initiativen Hörspiele machen, Features machen, Podcasts....
Die Grenzen sind natürlich auch sehr fliessend.
Es ist heute nicht mehr so starr, was ein Hörspiel ist sondern es gibt viele verschiedene Formate. 
Auch True-Crime-Podcasts, die so dramatische Elemente enthalten
Also das glaube ich schon, das ist auf jeden Fall am Wachsen. 

28:49
Aber du hast ja vorhin schon gesagt: 91 Hörspiele hat das Deutsch-Schweizer Radio produziert,
11 Hörspiele von ausländischen Sendern ausgestrahlt, 
aber auch über 180 eingesendete Manuskripte sind abgelehnt worden. 
Vielleicht kannst du da etwas dazu sagen: Wie hat man da argumentiert?
Also was waren die Kriterien, ob so ein Hörspiel aufgenommen wurde oder ob man es eben zurückgewiesen hat?

29:12
Genau, das war ja, Barbara hat das ja vorhin gefragt, also das Verhältnis zu Schweizer Autorinnen und Autoren. 
Das kommt da auch gut zum Ausdruck. 
Es hat ja die drei Studios gegeben in der Schweiz: Bern, Basel, Zürich
und die haben sich ein bisschen aufgeteilt in ihre Zuständigkeiten: 
Bern hat sich vor allem auf Adaptionen konzentriert, eher so Kanonstücke wie zum Beispiel Jules Verne
Basel war eher international ausgerichtet, die haben 
von der BBC Stücke übernommen oder
von den deutschen Anstalten
haben die  vertont. 
Zürich hat sich der Pflege der einheimischen
Autor:innen gewidmet und dort zeigt sich,
dass gerade am Anfang die einen sehr
schweren Stand hatten.
Das hat mich sehr interessant gedacht, weil
das Interesse der einheimischen Autoren
in den 30er, 40er Jahren
ist relativ gross.
Es sind viele, die ihre Manuskripte
eingeschickt
haben und sie sind durchgehend
abgelehnt worden.
Das heisst, und aus verschiedensten
Gründen, das ist
schwierig, dass sie zum Teil auch
einfach Behauptungen. 
Ich konnte das nicht prüfen, weil die Manuskripte
nicht aufbewahrt wurden, sondern
nur... das waren so Registerkarten, die
kurze Inhaltsangabe und Begründung
der Ablehnung enthielten. 
Meistens stand "laienhaft" oder "zu reisserisch", 
"zu sensationell" oder vom Handwerk
her nicht gut.
Aber mich hat es einfach spannend
gedünkt, weil eben
in den 1930er Jahren die Direktoren
auch gefordert haben,
dass wir mehr die Schweizerischen, wir wollen
mehr die Schweizerischen Werte, was
das auch immer bedeutet, am Radio zeigen.
Aber die Chance, die man mit
Autoren hatte, hat man eigentlich
nicht wahrgenommen.

30:51
Klar, das waren vielleicht schon auch
laienhafte Stücke, das kann ich
nicht so beurteilen,
aber ich habe einfach gesehen, dass
das Interesse schon noch
gross war, an diesem Radio auch
mitzuwirken, mitzuarbeiten,
Hörspiele einzuschicken und mein
Grossvater hat auch
Hörspiele geschrieben und hat auch
am Radio die geschickt.
Und da wurde eines umgesetzt, weil er Theater geschrieben hat.
Und aus unseren Familiennachlässen
habe ich
dann auch den Prozess gesehen,
wie das ging.
Also das war so ein Dialekthörspiel.

31:20
Nicht Sci-Fi?

31:22
Nein, nein.
Dann hat man eifach gesagt, das musst
du noch überarbeiten, da.
Oder eben, viele haben die Regisseure 
selber noch angepasst und dramatisiert.
Aber eben, die Ablehnungskriterien auf
jeden Fall, die haben sich in meinem
Untersuchungszeitraum natürlich
auch verändert.
Also am Anfang hat man, ja,
sage ich jetzt mal
so ein bisschen eine Art elitäre
Sicht gehabt,
so man hat es einfach viel
abgelehnt, viel.
Und auch so ein bisschen brisant,
dass mal der
Dürrenmann zum Beispiel abgelehnt
hat, am Anfang.
Oder also, wo dann Autoren, wo dann
auch bekannt worden sind.
Und dann erst mit der Zeit in
den 60er-Jahren vermehrt
auch wirklich Schweizer Autorinnen
und Autoren gefördert hat.
Aber eben, das ist nicht einfach
so, ja, die haben
das Manuskript geschickt und
man hat es umgesetzt.
Sondern da ist viel hin und her.
Und es ist mir noch so eine, ja, so eine
bittere Korrespondenz in Erinnerung,
in der sich eine Autorin wirklich
beschwert und wie
man ihr Hörspiel angepasst habe
und gekürzt und so.
Und also das Radio ist auf jeden Fall
immer am längeren Hebel gewesen.
Und eben, das finde ich, das ist wie
spannend von der Medienlogik her,
wo bei Literatur und dem Film
sicher anders ist.
Dort entscheidet natürlich auch der Verlag
oder die Filmproduktionsgesellschaft
habe da sicher auch noch ein
Mitspracherecht.
Aber dort geht es von mir aus gesehen viel
mehr darum, was dem Publikum gefällt.
Oder es muss dem Publikum gefallen.
Und was sich verkauft, das wird gesendet.
Das kommt ins Kino.

32:42
Und im Radio ist halt immer ein bisschen
so wie elitär gewesen,
wo dann Regisseure, ja, wir können
ja nicht alles senden.
Und dann müssen wir das schon
noch anpassen.
Oder wenn Science Fiction, dann müssen
wir uns lustig darüber machen.
Und da ist eben wieder so, dass Sendebewusstsein,
also die Konzession,
der Auftrag vom Bund, wieso man darf Radio machen. 
und dass das so mit Verantwortung
verbunden ist. 

33:01
Jetzt spannend an Radiophoner Science
Fiction ist ja auch die Tatsache,
dass man das Neue, das Novum, das
du ja schon erwähnt hast,
das kannst du ja nur über das Ohr, also
nur über das Akustische darstellen.
Und du schreibst auch von einem bekannten
Radiovertreter aus Deutschland,
der gesagt hat, eigentlich sei das Radio
am besten geeignet für Science Fiction,
weil es eben viel mehr die
Fantasie anrege,
weil es nur über einen Sinneseindruck
quasi vermittelt werden kann.
Wie würdest du das einordnen?
Ist es schwieriger, Science Fiction
im Radio darzustellen,
als beispielsweise in einem Comic
oder in einem Film,
weil man limitiert ist?
Oder würdest du dir dann beipflichten,
dass es eben die Fantasie
so dermassen anregt,
dass es fast einfacher ist?

33:39
Ja, da...
Wie soll ich sagen?
Das sind für mich dann wieder die
Literaturwissenschaftler
oder wenn es...
Ich will da kein Bashing machen oder so,
aber ich habe immer ein bisschen
Mühe mit diesen Bewertungen
von Sinnesorganen oder von sinnesgeschichtlichen
Entwicklungen.
Oder es hat das schon...
Es hat die grosse Debatte gegeben,
so die visuelle Kultur, die orale Kultur,
dass es so ein Bruch war seit dem Mittelalter, wo ja alles oral war, 
als dann die Schrift mit dem Buchdruck
wichtiger geworden ist.
Und was das...
Also...
Ich habe immer ein bisschen Mühe mit
so diesen Kausalzusammenhang,
dass wenn man etwas liest,
dass das wichtige Informationen sind,
also wenn man sie mündlich überliefert...
Es hat sicher Aspekte, die interessant sind. 
In meiner Forschung habe ich
das natürlich nicht...
Das hat keinen grossen
Stellenwert gehabt.
In der Science-Fiction-Forschung
natürlich schon.
Aber gerade so die Hörspiel-Community hat natürlich immer betont, dass so der Film
das Genre auch in Verruf bringe und anrüchig mache, mit den "effects over ideas", 
also die Effekte kommen vor der Idee, es geht um Special Effects und gar nicht um das Kalkül der Geschichte
um den Plot. 

34:43
Ich glaube, es ist auch ein bisschen ein
 Minderwertigkeitskomplex gewesen vielleicht, 
dass einfach die Science-Fiction-Filme seit den 1970er Jahren so unheimlich populär waren
also Star Wars, Star Treck, etc. 
Und Science-Fiction-Hörspiele, wie man es von Orson Welles gekannt hat
"War of the Worlds", diesen Stellenwert hat es nie mehr bekommen. 
Jetzt sinnesgeschichtlich gesehen, kann man vielleicht schon sagen, dass es anregender ist, 
wenn die Fantasie einen grossen Prozess leisten muss von der Verarbeitung der Information. 
Zusammen mit Klänge – gerade in den 1930er Jahren, als das Radio ein neues Medium war, 
und man vielleicht in der ländlichen Schweiz das erste Mal solche Töne gehört hat, 
das kann schon sein dass das eindrucksvoller war als wenn man jetzt vielleicht einen Comic gelesen hat.
Aber ich habe nie so eine Bewertung vorgenommen welcher Sinn die Fantasie am besten anregt. 
Das war ja auch nicht in meiner Fragestellung.
Würde ich heute vielleicht auch anders machen und mehr auf die Rezeptionsseite gehen und schauen,
welches Format hat denn eigentlich unser Denken über die Zukunft am meisten geprägt
und vielleicht auch das Kino und die Literatur mehr einbinden.  
Es wäre einfach ausspannend,
das zu öffnen und eine transmediale Sicht einzunehmen 
und den Fragen, die du auch gestellt hast, mehr Bedeutung zu schenken 
weil zumindest auf Seite Autorenschaft hat das ja schon einen Impact darauf, wie schreibt man eine Geschichte. 
Ob man mehr vom Auditiven oder vom Visuellen ausgeht. 
Also in der Selbstwahrnehmung hat es schon einen Einfluss aber ich habe das nicht so untersucht.

36:19
So, ich würde sagen,
wir gehen rein.
Wir haben jetzt lange um den heissen Brei gesprochen, aber jetzt wollen wir doch endlich mal 
gemeinsam einsteigen, wie das denn wirklich klang. 
Und zwar würde ich vorschlagen, wir starten mit einem ganz zentralen Thema innerhalb der Radio Science Fiction, 
nämlich dem Weltraum, den du jetzt gerade wieder adressiert hast mit Star Wars etc. 
Und spannenderweise ist das ja auch immer ein Raum, wo die Grenze zwischen bekannt und unbekannt 
immer wieder neu verhandelt worden ist 
oder respektive die Projektion dieser Verhandlungen ging dorthin. 
Und dafür musste man den Hörenden zuerst klar machen,
wie man zukünftig überhaupt in den Weltraum reinkommt.
Also die Raketen oder das Weltraumschiff mussten akustisch überzeugend dargestellt werden. 
Im Jahr 1953 klang das in der Hörfolge "Weltraumflug" etwa so :

37:22
Denken Sie alle daran,
entspannen.
Entspannen.
15 Sekunden.
Schaltung 4.
Los.
Schaltung 4.
Fertig.
10 Sekunden.
5
4
3
2
1
0.

38:14
Ja Felix,
vielleicht kannst du uns das kurz einordnen?
Oder anders gefragt, das hat sich im Verlauf der Zeit auch verändert, nehme ich an oder?

38:24
Gerade bei der Raumfahrt war
es wichtig, das mit
technisch-wissenschaftlichen Klängen
zu naturalisieren.
Also wirklich so vertraut zu machen mit Klängen,
die möglichst plausibel klingen.
Und das war natürlich aus der Aviatik.
Man hat am Anfang Geräusche genommen
von Düsenjets,
die es seit dem Zweiten Weltkrieg
auch gegeben hat.
Und dann hat man mit diesen lauten Geräuschen...
immer so der Start war sehr wichtig.
Der Countdown war sehr wichtig,
das war ja ein
Element, das man auch vom
Kino übernommen hat.
Das war nicht so aus der
Raumfahrt gekommen,
weil wir gar keine Referenz hatten
in diesem Sinne.
Die Türen waren immer ein
wichtiges Element.
So pneumatisch-hydraulische Türen, um das
Fortschrittliche zu hören,
das sehr Technische.
Dann die Landung wieder mit Düsen, mit den
starken, lauten Geräuschen.
Also es wurde sehr als etwas
Geräuschhaftes dargestellt.
Und das Spannende ist zu sehen, dass am
Anfang das auch immer noch
beschrieben wurde.
Also für meine Ohren....
Das ist wie wenn man einen
alten Film schaut.
Das war unheimlich langweilig,
um das zu hören.
So wie, wir hören jetzt die
Triebwerke zünden.
Und dann hört man noch 15 Sekunden
die Triebwerke zünden.
Und dann legen wir wieder einen
Hebel um für das und das. 
Und dann 20 Jahre später, 1-2 Sekunden
für ein gewisses Geräusch.
Und das Publikum wusste natürlich,
was das bedeutet.
Also die Stereotypisierung der Klänge
kann man sehr schön beobachten.
Wie am Anfang sehr viel Raum
gebraucht wurde,
auch akustischer Raum, um
etwas zu zeigen.
hin zu ganz wenigen elektronischen Klängen und man wusste: okay man ist im Weltraum.

39:58
Und das zweite, wo ich aber
so nicht schreibe in der Diss, 
aber wo du gesagt hast, ja der Weltraum, das ist einfach der unbekannte Ort. 
Das ist Terra Incognita.
Und das kennt ihr von euren Forschungen vielleicht auch, ich meine Afrika war...
Vielleicht auch in Afrika.
Ich sage jetzt so Afrika als Kontinent, war dasselbe in den 1930er, 1940er Jahren. 
Und das ist echt lustig, weil die Hörspiele,
die ja so in der gleichen Serie waren.
Zum Beispiel der Eusebius Bitterli.
Das war so ein Mundart-Hörspiel.
So eine Komödie.
Und der ist auch nach Afrika.
Und er ist aber auch in den
Weltraum in einer Folge.
Und eigentlich, das ist vom Plot her, von
den Elementen, exakt gleich gewesen.
Er geht in diesen unbekannten Raum, trifft
die unbekannten Menschen, löst sein
Problem auf eine ähnliche Art und Weise
und geht wieder zurück
Und eben auch so das Transportmittel,
wie er da
hinkommt, war wichtig, um in diesen
Raum vorzustossen.
Und deswegen hat mich auch viel an
meine Massenarbeit erinnert.
Einfach so das Vordringen in
den unbekannten Raum. 

40:54
Und spannend war dann zu sehen, in den 50er,
60er Jahren, wo dann tatsächlich der
Weltraum erforscht wird, wie sich das
dann halt schrittweise auch anpasst.
Ja, das ist heute ja auch mit
KI – vor zwei Jahren
noch ganz anders in diesen unbekannten
Raum imaginiert.
Und heute, je konkreter es die Anwendungen
werden, desto mehr passt es sich an.
Also es geht immer so parallel: eine konkrete
technologische Entwicklung und
Zukunftsszenarien über mögliche
Anwendungen.
Das ist immer so parallel, wie
sich das dann entwickelt.
Und gerade eben auf Ton, das, was du gefragt
hast, so auf Geräusche- und Tonebene
ist es mega spannend zu sehen, wie schnell
sich das so stereotypisiert.
Also wie wenig Zeit, das man braucht, also
im Verlauf der Zeit, um das zu erklären.

41:37
Ja, das wäre meine Rückfrage:
Jetzt hast du dir ja eben eine Zeitspanne
angeschaut, in der
der Weltraum dann plötzlich nicht
mehr so unbekannt war.
Also hat sich das ausgewirkt auf das
Science-Fiction-Hörspiel?
Ist das Thema Weltraum nach
1969 quasi gar
nicht mehr so interessant oder
bespielbar gewesen?
Also Star Wars ist ja erst nachher
gekommen, oder?

41:55
Mhm.
Ich denke, es hat sich einfach verändert.
In den 30er Jahren, der Mars war halt
auch noch mega wichtig.

42:00
Ist er jetzt immer noch!

42:02
Ist er immer noch, ist genau,
geldergestrichen worden.
Schon seit dem 19. Jahrhundert
ist der Mars
auch immer als Zukunft der
Erde gesehen worden.
Also der Mars als Beispiel wie die
Erde in 2000 Jahre aussehen wird. 
Und deshalb haben viele Hörspiele dort gespielt.
Und jetzt auf Soundebene ist natürlich am
Anfang sehr musikalisch dargestellt
worden,
wo einfach die Effekte gefehlt haben, die Möglichkeiten. Deshalb viel mit Musik gearbeitet. 
Dann in den 1950er Jahren mit konkreten Geräuschen und in den 60er, 70er Jahren mit elektronischen Klängen.
Das hängt eben damit zusammen, dass dann
der Synthesizer aufgekommen ist,
dass man mehr Möglichkeiten hatte,
das zu vertonen.
Und der Weltraum an sich hat nicht die
Bedeutung verloren nach 1969.
Aber man hat sich natürlich
dann viel, viel
weniger auf die Weltraumfahrt als
Phänomen konzentriert.
Also es ist dann schon viel weniger um
Raumfahrt gegangen, um die Raketen.
Und das sieht man sehr schön
beim Dürrenmatt.
Er hat ja eigentlich ein bekanntes Hörspiel
geschrieben, "Das Unternehmen der Vega".
Ist eben bezeichnenderweise nicht in die
Schweiz uraufgeführt worden,
sondern in den 50er Jahren
von deutschen Sendern.
Und dort geht es ja um einen
Flug zu der Venus.
Und die Venus ist eigentlich
so, als ein Symbol
für die Menschheit, für den
Kalten Krieg gewesen.
Die ganzen Konflikte.
Und dort hat der Start der Rakete und so noch mehr Raum eingenommen.
Als dann, als das Deutschschweizer Radio es produzierte,
das war Ende der 60er Jahre.
Das war viel leiser.
Das musste man gar nicht mehr erklären.
Und dort konnte man dann mehr
auf die Inszenierung
der Dialoge, von diesen Sachen,
sich darauf fokussieren.

43:30
Und ich denke, dass in den
70er Jahren hat sich Science Fiction
dann viel mehr mit Fragen von
ausserirdischem Leben
oder auch von Dystopien auf der
Erde auseinandergesetzt.
Anstatt dieses: okay, wie fliegen
wir jetzt zu diesem Mond?
Und so sehr die technische Sicht ist
stark in den Hintergrund gerückt.
Also in den 50er Jahren war
es unterhaltsam, 
Einfach mal eine Rakete, die startet, die fliegt. Oh hallo wir sind schwerelos.
Wie kommen wir wieder zurück?
Und das hat natürlich in den 70er Jahren
niemand mehr interessiert.

43:57
Aber ein anderes zentrales Thema sind
natürlich Roboter und Computer.
Also mit heutiger Sprache würde
man sagen KI, oder?
Und wenn wir von Roboter sprechen, haben ja
wahrscheinlich die meisten Zuhörenden
sofort so eine ganz bestimmte
Stimme im Kopf.
Wir haben dort natürlich auch das Gedächtnis
aufgebaut natürlich von den Filmen und
Hörspielen, je nachdem, was
wir gehört haben.
Also so eine leicht scheppernde, monoton,
intonierende Stimme.
Kommt das aus dem Radio?
Also hat die Radiophone Science
Fiction den Klang geprägt?
Oder sind dort Roboter ganz anders
akustisch inszeniert worden?

44:32
Am Anfang in den 30er Jahren, wobei die
Sendung ich nicht gehört habe,
aber gemäss dem Manuskript waren sie noch anders, 
die Ausserirdischen
noch anders gewesen.
Vor allem eben mit Musik, mit
Flöten zum Beispiel.
Ich denke, ja das ist noch
schwierig zu sagen.
Eben, da habe ich den Blick vielleicht
zu fest auf dem Hörspiel gehabt.
Es ist auch schwierig nachzuvollziehen, oder
wieso übernimmt man eine gewisse Klangpraktik?
In den 50er Jahren haben viele
Science Fiction
Filme den Roboter als zentrale
Figur eingeführt.
Und dort ist das auch zu beobachten.
Das war schon bei Fritz Lang
seinen Filmen.
Die roboterhaften Gestalten.
Und in den 50er Jahren kommt dann
noch der Klang dazu.
Und klar, ich glaube schon, radiophone
Science Fiction hat grossen
Einfluss gehabt.
Weil sie haben sich sehr auf die
Stimmeffekte konzentrieren müssen. 
Und dann hat man natürlich die Filtereffekte
genommen, die man vom Telefon hatte.
Also so, dass man Bässe aus der
Stimme genommen hat.
Dass man so einen hohen,
heller Klang nimmt.
Und dann noch sehr so abgehackt spricht. 
Ich denke, das hat das Radio sicher einen
wichtigen Teil dazu beigetragen.
Auch nur schon, weil es einfach sehr viele
Hörerzahlen hatte in den 50er Jahren.
Also rein auch so von der Quantität
hat es sicher geprägt. 
Aber ich glaube das Kino hatte dort schon
eine prägende Rolle gehabt.
Auf das Verständnis von wie
eine Maschine klingt.

45:40
Und gleichzeitig auch von der technischen
Entwicklung sind dann die Grossrechner
aufgekommen.
Die Mindframes von IBM und so.
Die Zuse-Rechner. 
Und die haben auch schon zum Teil
technische Möglichkeiten.
geboten, die fantastisch waren.
Und man hat auch Möglichkeiten
mit Vocoder, also Stimmen elektronisch nachzubilden. 
Und das hat natürlich den Klang auch
sehr stark beeinflusst.
Aber auch hier ist spannend: 
Heute klingt KI ganz anders.
Wie man es sich gar nicht vorgestellt hat.
Sondern sehr menschlich.
Man hat vielleicht noch im Kopf, dass
es so mechanisch, technisch klingt.
Aber man strebt heute danach das natürlich
möglichst humanoid zu gestalten.

46:21
Vielleicht können wir noch mal ganz kurz
auf das geschichtswissenschaftliche
Arbeiten oder auf den Umgang mit
Tönen als Quellen schauen.
Ich erinnere mich an ein Gespräch mit dir,
Felix, in dem es um die Bedeutung der
Aufnahmemöglichkeiten in der
Vergangenheit ging.
Und du hast das Beispiel erwähnt, dass die Stimme
Adolf Hitler den damaligen Mikrofon und
technischen Möglichkeiten geschuldet war.
Er musste aus mehreren Metern
Entfernung in das
Mikrofon einschreien. Darum hat sich
seine Stimme überschlagen.
Das hysterische Brüllen von Hitler hat
sich bei uns als Sound des
nationalsozialistischen Regimes und von seinem
Diktator ins Gedächtnis eingeprägt.
Ist dir das in deiner eigenen Forschung wirklich
so begegnet, dass es wie einfach
die technische Limitierung war, die dann
auch einen Sound oder einen
Klang ergeben hat?
Kann man das jetzt in einer historischen
Betrachtung wirklich auseinander
dividieren?
Was waren die Möglichkeiten?
Und was wollte man
wirklich so Tönen lassen? Weisst
du, was ich meine?

47:26
Genau, es geht immer um die Verfremdung.
Wie macht man etwas Fremdes? Und um das
herauszufinden, muss man zuerst mal
wissen, was gilt das normal.
Und das ist natürlich sehr schwierig gewesen,
weil ich ja nicht alle Klangpraktiken
untersuchen konnte, die es
gegeben hat, um zu
sehen, wie man bewusst davon
abweichen will.
Ein bekannte Beispiel ist das
von Hitler. Das zeigt
wieder, wie das Radio neu war
in diesen 20er Jahren.
Oder gerade so die Redner
sind sich gewöhnt
gewesen, ohne Mikrofon so ganze
Säle anzusprechen.
und waren daher sehr auf ein kräftiges Stimmorgan angewiesen. 
Und bezeichnenderweise konnten sie gar nichts
anfangen mit dem Radio, wo
man ruhig sprechen muss.
Ja, Hitler hatte keinen Zugang zum Radio.
Im Gegensatz zum Roosevelt, dem das
viel besser gelungen ist die Nation
zu adressieren via Radio.

48:15
Jetzt beim Hörspiel. Wie verfremdet man etwas?
Und was ist sozusagen der Standard?
Ich glaube, im Manuskript hat sich das
immer am besten gezeigt, in
der Regieanweisung.
Dass man zum Teil alles, was man explizit schreiben musste.
Zum Beispiel laut, leise, hysterisch.
Hat man sozusagen betont, hervorheben,
dass man es machen muss.
Das heisst, es hat nicht zum Standard
gehört, von der Ausdrucksweise.
Und dort habe ich schon gesehen,
dass Geräusche immer
sehr stark erwähnt wurden, die
eingesetzt werden müssen.
Und so gewisse Sprechweisen.
Also ich denke, das ist sicher so ein
Anhaltspunkt, um zu zeigen, wie
man abweichen will.
Und dann sicher auch
die Filtereffekte.
Das war eine Technik, die es geprägt hat,
wo man einfach nicht mehr hatte.
Aber du hast recht, die Technik hat immer
sehr stark den Inhalt geprägt.
Aber ich habe zu wenig darauf
fokussiert und vor allem
auch mit welcher Intention das
so angewendet worden ist.
Ich würde heute vielleicht auch mehr noch
schauen, wie hat man bei der
BBC Sachen inszeniert.
Wie hat das dann das Radio in der
Deutschschweiz geprägt?
Oder man hat immer geschaut, was machen die anderen. 
Aber ich habe das nie so gefunden
in den Quellen.

49:23
Ich bin sehr darauf ausgegangen,
von dem, was ich finde.
Von dem, was in den Manuskripten steht.
Weil es einfach mit diesen Klängen,
das ist so ephemer. 
Wenn sie nicht gespeichert sind, kann man
eigentlich nichts darüber erforschen.
Und auch viele Hörspiele, gerade in den 50er
Jahren, haben keine Aufnahmen mehr,
weil sie live waren
oder zerstört worden
sind oder einfach nicht mehr
auffindbar sind.

49:44
Ich habe noch eine Frage zum Publikum,
also zu den Zuhörenden.
Weil in meiner sehr laiinnenhaften
Vorstellung ist Science-Fiction doch tatsächlich
ein eher männlich konsumiertes Genre.
Also Star Wars zum Beispiel sind ja eher so
vielleicht in der Tendenz junge Männer,
die das anspricht.
Weisst du etwas über die Zusammensetzung
des Publikums von deinen Hörspielen?

50:11
Das ist in der Radiogeschichte natürlich
immer auch eine grosse Unbekannte – das Publikum. 

50:16
Ja.

50:17
Ist ja bis heute so mit diesen
Umfragen und so.
Wie misst man eigentlich
so Zuhörerschaft?
Es ist ja spannend jetzt, dass
die SRG ein Jahr ohne
UKW gesendet hat und jetzt
ja so erste Zahlen vorliegen. 
Aber eben, es ist immer noch
so ungenau zu messen.
Ja, wer hat jetzt viel gehört auf UKW?
Also Informationen über das Publikum
sind relativ schwierig.
Ja, bei filmischer Science-Fiction
gebe ich dir recht.
Ich glaube, das kann man auch besser verifizieren
mit Kinoeinritten oder so.
Das ist einfach auch Western im Weltraum.
Und Western ist auch eher ein
männliches Genre. 
Sonst, was noch spannend ist, ist, man
kann es indirekt analysieren,
in dem, dass man schaut, wann
wird es ausgestrahlt.
Und da gibt es so Science-Fiction, wo
am Nachmittag ausgestrahlt wird,
das sind die Jugendhörspiele.
Und da ist ganz klar an ein jugendliches
Publikum gerichtet,
weil die werktätige Bevölkerung, beziehungsweise
vor allem die Männer,
hören am Abend.
Und am Abend sind vor allem Nachrichten.

51:13
Und da gibt es auch noch
so Frauenstunden.
Das ist auch am Nachmittag, wo man kann,
zumindest auf das  intendierte Publikum kann
Rückschlüsse gewinnen. 
Und Science-Fiction ist vor allem
am Abend gesendet worden,
an den Wochenenden.
Das sind halt halt die bekannten
Hörspiel-Sendeplätze gewesen.
Also das ist wie der Blockbuster,
da hat man am Samstag Abend
 Hörspiele gesendet,
in den 50er Jahren, weil es halt eigentlich
noch das Leitmedium war.
Und von dem her würde ich
dir recht geben,
dass es schon primär ein männliches
Publikum war,
das vor allem auch den gehört hat.
Aber man weiss auch, dass einfach ganz
viele Frauen Radio gehört haben.
Man hat eben auch dort die Gefahr des Vielhörens immer wieder befürchtet. 
Man hat einfach auch bei der Heimarbeit, haben viele Frauen Radio gehört. 
Aber Science-Fiction ist tendenziell
eher am frühen Abend
also  für die Jugend oder dann
am Abend gesendet wurden.
Von dem her denke ich auch,
dass es eher ein männliches Publikum war.

52:04
Also was ich wahnsinnig spannend
gefunden habe
beim Lesen von deinem Manuskript,
oder deinem Buch,
ist, dass die Hörspiele
wirklich dann auch in allen grossen
Zeitungen besprochen worden sind.
Also dass das wirklich so
eine Kunstform ist,
wo man sich dann auch als
vermeintlich Intellektueller damit
auseinandergesetzt hat
und dem irgendwie so eine Wertung
mitgegeben hat
und so eine Bedeutung mitgegeben hat.
Das fand ich ganz spannend.
Wenn wir noch kurz bei den Geschlechterrollen
bleiben.
Also Publikum eher männlich,
weiss man nicht so genau,
aber was ganz deutlich wird,
ist ja so die Besetzung.
Also es ist der Wissenschaftler,
wo Sachen erklärt,
es ist nicht die Wissenschaftlerin
für ganz, ganz lange Zeit.
Also die Rollenbesetzung
männlich-weiblich
ist relativ klar
in den Science-Fiction-Hörspielen.
Aber jetzt noch mal auf
Töne zurückkommen,
hat es auch ganz spezifische Tricks oder akustische Mittel gegeben,
um etwas "männlich" oder "weiblich"
in Anführungs- und Schlusszeichen
 tönen zu lassen?
Jetzt eben zum Beispiel
bei einem Roboter,
sind die geschlechterneutral gewesen
oder hat man quasi gehört,
dass das ein weiblicher
Roboter soll sein?

53:05
Ja, also es geht in die Frage,
die du gestellt hast,
eben zu den Aufnahmebedingungen, hinein. 
Und bezeichnend ist,
ist das eigentlich bei den
männlichen Rollen
fast keine Regieanweisungen gewesen.
Also bei den Professoren,
bei den Wissenschaftlern,
weil das ist halt so, wahrscheinlich ein Kanon gewesen,
man weiss, oder man hat es im inneren Ohr wie ein Wissenschaftler spricht, 
oder so das Dozierende, Belehrende. 
Das hat man gar nicht müssen in Klammer dazu schreiben. 
Oder die Regieanweisungen sind immer in Klammern geschrieben.
Hingegen ist mir aufgefallen, dass bei weiblichen Rollen fast immer so Regieanweisungen zu finden sind.
wenn sie mit dem Novum zu tun hatten. 
Und dann ist es eher eben so diskriminierend, so abwertend gewesen, eben so das Lispeln beispielsweise. 
Das ist so ein bekanntes Beispiel in der Hörspielparodie in den 50er Jahren,
oder eben dass sie emotional sprechen müssen... 
also,
wie soll ich sagen,
das Dystopische hat man wie an der Stimme der Frau oder als Frauen gelesener Personen zum Ausdruck gebracht
in dem sie eben geweint hat oder besonders aufgeregt gesprochen hat
konnte man das Schlimme am Szenario verdeutlichen.

Also während der männliche Wissenschaftler das einordnen konnte, warum der Zustand so ist wie er ist
hat die Frau oder die Protagonistin das dann zum Ausdruck gebracht, also eben dramatisiert, 
 warum es jetzt in der Zukunft schlimm ist, indem sie geweint hat

54:21
Also emotionalisiert,

54:22
emotionalisiert,
genau.
Und bei den Roboter ist mir aufgefallen, dass der Roboter typischerweise mit männlichen Stimmen umgesetzt worden ist 
 und die Androiden mit Frauen. 
Also dort auch oft die Fantasie von der Androidin als Gattin oder einfach als Frau,
die einfach alles macht, was man sich wünscht, so in dem Stil.
Und dort war die Stimme eigentlich gar nicht so verfremdet , also das ist schon viel näher an den heutigen KI-Stimmen. 
Als jetzt dazumal der mechanisch abgehackte Roboter.

54:57
Ein ganz wunderbares Beispiel ist ja die Ausserirdische Betty.
Vielleicht können wir dort noch an einem konkreten Beispiel anschauen, wie das umgesetzt worden ist.
Die taucht nämlich in der Eigenproduktion "Quo Vadis Luna" auf.

55:16
Hoffentlich ist der wasserdicht. 
Betty, entschuldige aber das tut weh. 
Wieso?

55:21
Das ist ja eigentlich an sich bereits eine spannende Geschichte, weil „Quo Vadis Luna“ ja eine Parodie war. 
Also man hat "Reise ins Weltall" als Adaption des BBC-Hörspiels "Journey into Space" ausgestrahlt.
Das hat dann ja in der Wiederholung „Operation Luna“ geheißen, oder
Und dann hat das Deutsch-Schweizer Radio auf der Grundlage von dem BBC-Hörspiel 
eben die Parodie "Quo Vadis Luna" ausgestrahlt

55:47
"Journey into Space" kann man sagen, ist das bekannteste Hörspiel in der BBC gewesen
Das ist wie Star Wars in den 50er Jahren, das hatte unglaubliche Hörzahlen. 
Und das ist für mich wie ein gutes Beispiel:
das Schweizer Radio hat das natürlich registriert. Da gab es auch Verbindungen mit der BBC.
Man hat dort auch Ausbildungen gemacht zum Teil, 
und man hat gemerkt, okay wir müssen... Wir kommen nicht drum herum, das in der Schweiz auch zu machen. 
Es hat wahrscheinlich auch Hörer-Zuschriften gegeben. Die habe ich nicht gesehen aber ich glaube....
man hat gemerkt: Da ist jetzt dieses Genre Science Fiction. Das müssen wir irgendwie bringen
Und dann hat man das adaptiert. Man hat es natürlich stark gekürzt. 
In der BBC sind es über 10 Folgen gewesen, in der Schweiz hat man es auf 5 zusammen gekürzt. 
und hat es das erste Mal wirklich auch als Science Fiction bezeichnet in der Radiozeitung.
Also auch das bezeichnend. 
Weil man gemerkt hat: Okay das ist so populär, da kommen wir nicht drumherum.
Und dann typischerweise,
eine Woche oder so nach der letzten Folge hat man auch noch eine Parodie gesendet. 
Und für mich ist das typisch gewesen: 
Okay man muss jetzt das halt auch umsetzen, 
weil das einfach dem Publikum gefällt, sonst hören sie halt andere Sender, wo das gespielt wird
Also bringen wir es in der Schweiz. 
Aber wir positionieren uns auch dazu und dann kam eben das "Quo Vadis Luna", die das auf die Schippe nimmt. 
Eben den ganzen Sputnik-Schock und die Suche nach Außerirdischen 

57:08
Und da ist natürlich Betty. 
sie ist keine Außerirdische sondern sie ist eine Raumfahrerin. Sie ist Partnerin von einem Raumfahrer.
Und natürlich da... 
ja, wie soll ich sagen, 
an ihrer Figur, auf ihrem Rücken wird das dann auch ausgetragen
Sie stellt die dummen Fragen. Es nerven sich alle dermassen über sie, sie würden sie am liebsten ausschalten. 
Also es ist ein typisches Beispiel dafür, wofür die Frauenfigur alles herhalten muss 
um parodistisch die Weltraumfahrt abzuhandeln
Nicht nur,
aber jetzt in dem Fall ist es vor allem die Frauenfigur, die völlig abwertend dargestellt wird. 

57:44
Das war für mich ein wahnsinnig faszinierendes Beispiel
weil sie wird dann ja auch stumm geschaltet, von einem Alien – Mim heisst es, glaube ich
Und die anderen Männer bedanken sich dann bei ihm und möchten unbedingt 
 auch die Fähigkeit haben, die nervigen Frauen stumm zu schalten.
Also die sich öffentlich artikulierende Frau, die vom Patriarchat quasi gemutet wird 
das ist eine Erzählung, die ist so alt wie...

58:10
Wie das Patriarchat. 

58:12
wie das Patriarchat selber, genau. 
und gleichzeitig ist die Darstellung von weiblichen Gedanken und Stimmen als dümmlich
und vom Stummschalten ihrer Stimmen in der Öffentlichkeit
natürlich in dem Zeitraum 1958, auch vor dem Hintergrund der politischen 
noch mal ganz spezifisch zu verstehen, oder?
also im Rahmen der damaligen Diskussion über die bundesweite Einführung des Frauenstimmrechts 
und ich finde man sieht sehr schön, wie die bestehenden Vorstellungen über die damalige Gegenwart 
 und soziale Konflikte und Ängste immer wieder in die Hörspiele hinein geflochten werden, 
um soziale Ordnungen zu regulieren oder mal sicher abzubilden, oder?

59:02
Der Schweizer Science-Fiction-Autor Tom Turtschi hat mal in einem Interview mit der WOZ gesagt, 
bei guter Science Fiction ginge es gar nicht so sehr darum, eine ferne Zukunft zu beschreiben,
sondern sie sei ein Mittel, um die Gegenwart aus einer entrückten Perspektive in den Blick zu nehmen
Also seiner Ansicht nach ist Science-Fiction eigentlich die beste Möglichkeit, um mit der Gegenwart klarzukommen.
Ja, das vielleicht als Abschlussfrage Felix: 
was war der Umgang mit dem Verhältnis Zukunft/Gegenwart in Science-Fiction-Hörspielen
also ging es wirklich so sehr um die Zukunft oder vielmehr um die jeweiligen Gegenwarten?

59:38
Nein es ging eigentlich immer um die Gegenwart.
es war ein Spiegel der Gesellschaft und es war mal weniger, mal mehr bewusst darauf angelegt
dass man gegenwärtige Trends einfach extrapoliert in eine Zukunft
und je nach Bewertung, die man vornimmt, ist es eine schlechte oder eine gute Zukunft
Bei Science Fiction ist es eigentlich fast immer eine dystopische Zukunft.
Es gibt nur wenige wirkliche Utopien, die eine schöne Gesellschaft schildern, 
sondern es sind immer auf die Spitze getriebene negative Entwicklungen. 
Das sieht man auch daran, dass gewisse Themen Konjunktur haben.
Gerade mit der Raumfahrt in den 50er-Jahren, in den 60er- und 70er-Jahren ist es viel um dieses Dystopische gegangen. 
so das Abtreten ist mir noch in Erinnerung: dass die Lebenszeit beschnitten wird, dass man mit 75 Jahren abtreten muss
dass man in der Simulation lebt, diese Themen waren gross. 
Das würde ich heute vielleicht auch noch einmal stärker versuchen, zusammenzufassen
wie das Konjunktur hat diese Zukunftsentwürfe und wie die zusammenhängen. 
Und dort den Blick auch auf die Literatur und den Film werfen, wo sich das ja auch widerspiegelt.
Und das ist auch das, was mich teilweise überfordert hat, was du gesagt hast, Simone, 
dass es immer wieder an den Kontext geknüpft ist, kontextgebunden ist.
Aber gerade weil es so vielseitig ist, ist es auch schwierig, dort weiterzugehen und gute Aussagen zu machen,
es ist eher nach innen orientiert, wie sich der Sound entwickelt.
Dabei gäbe es auf politischer Ebene auch noch viele Verknüpfungen, die spannend wären.
Es wäre vielleicht spannend gewesen, in den 50er Jahren: Wie wird die Frau im Dialekthörspiel dargestellt?
Das ist vielleicht ganz anders. Um eben zu sehen, wie sie verfremdet wird. 
Manchmal muss man den Standard zuerst untersuchen, 
um zu sehen wie wird diese Stimme nun gebraucht um etwas Dystopisches darzustellen,


01:01:35
Aber auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Es ist immer Zeit-Kontext gebunden
Und deshalb auch nicht überraschend, dass Dinge wie der Computer überhaupt nicht antizipiert werden.
Man kann nicht outside of the box denken.
Internet ist eigentlich nie ein Thema
etwas, das heute unser Leben so krass dominiert.
Also diese Vernetzung der Welt die hat... 
 Also gewisse Hörspiele haben schon man kann jetzt mit allen gut kommunizieren aber 
was das wirklich bedeuten könnte
Imaginationen über die Zukunft sind mir eigentlich nicht so begegnet. 
sondern eigentlich immer nur gegenwärtige Trends extrapoliert, verlängert 
und entweder ins Lächerliche gezogen oder als besonders schlimm dargestellt

01:02:17
Ja, also wir finden es ein irrsinnig spannendes Thema, in dem so viel zusammenkommt. 
Und wir könnten uns nach ganz lange mit dir unterhalten.
Wer noch mehr wissen möchte, dein Buch Felix ist online verfügbar
unter dem Titel: "Science Fiction im Radio. Programm und Sound utopischer Hörspiele in der Deutschschweiz 1935 bis 1985. 
Also werft mal einen Blick rein falls ihr noch mehr spannende Beispiele aus der Vergangenheit
oder mögliche akustische Zukünfte erfahren möchtet, wir verlinken es euch natürlich. 
Und was noch viel spannender ist: 
man kann auch deine Hörspiele online abrufen, oder?

01:02:56
Genau, also es sind Auszüge. Das ist ziemlich lange gegangen, bis ich das durfte. 
Weil Hörspiele sind eine komplizierte Sache. 
weil es an Autorenschaft gebunden ist, weil es Hörspielende involviert.
Und wenn es aufgeführt wird, muss man ihnen wieder Tantiemen zahlen
was ich ja auch gut finde, weil es wirklich eine Kunstform ist. 
Wir als Familie haben wir noch immer von meinem Grossvater bekommen. 
Das ist aber auch der Grund weshalb Hörspiele nicht so oft wiederholt werden, weil es einfach sehr teuer ist.
Auf jeden Fall hat sich das SRF zuerst auf den Standpunkt gestellt, 
dass ich alle Rechte einholen muss und zwar auch bei jedem Hörspieler/Hörspielerin
Das war unmöglich für mich bei über 100 Stücken. 
und jedes Stück hat noch einmal fünf bis zehn Personen, die involviert sind, 
plus manche sind bereits verstorben und man hätte mit den Nachkommen schauen müssen
Und dort waren sie recht streng und auch ein bisschen ängstlich.
Das hat sich zum Glück beim SRF ein bisschen gewandelt, eher nach außen, dass man etwas lockerer wurde. 
Und ich ich konnte mich dann auf den Standpunkt stellen, dass das unter das Zitierrecht fällt. 
Denn ich dachte mir, es kann ja nicht sein dass ich nicht belegen kann, was ich untersuche.
Und deshalb ist das jetzt unter Zitierrecht und man kann das hören.
Sie sind einfach nicht so lang. 
Dewswegen: die Hörspiele kann man nicht hören, aber die zitierten Stellen kann man hören. 

01:04:11
Es zeigt ja auch, dass die Wissenschaft und vor allem auch die historische Wissenschaft
nicht daran gewöhnt ist, dass es keine Texte sind, mit denen man sich auseinandersetzt.
Schlussendlich ist es genau dasselbe, wie wenn wir ein Zitat abtippen.
Es fällt ja unter das Zitierrecht. 
Aber es ist mega cool, dass es nun im Buch integriert ist 
und man die Möglichkeit hat, diese akustischen Eindrücke zu bekommen. 
Vielleicht müssen wir an dieser Stelle auch noch sagen: Du warst sehr selbstkritisch Felix! 
Was du noch alles hättest machen können oder heute anders machen würdest. 
Es ist wahnsinnig spannend, was du gemacht hast!
Wir bedanken uns ganz herzlich, dass du dir die Zeit genommen hast und uns ein paar Einblicke gegeben hast. 
Es lohnt sich, mal reinzulesen und vor allem mal reinzuhören in dein Buch. 

01:04:56
Merci.

01:04:57
Merci vielmal euch, es war cool.