Zeitreise. Der Podcast

ds Zmorge: Vom Geschmack der Globalisierung

context lab

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0:00 | 54:26

Eine Zeitreise vom Mittelalter zum Müesli 

Wir reisen entlang den Spuren einer Mahlzeit und zeigen auf, warum sich ein genauerer Blick auf das Frühstück lohnt. Denn Kaffee, Tee, Kakao, Zucker, Cornflakes oder Ovomaltine erzählen nicht nur Konsumgeschichte – sie verweisen auf Plantagenwirtschaft, koloniale Gewalt, Industrialisierung, Ernährungspolitik, Körperbilder und die Macht der Werbung.

Warum galt Frühstück der Kirche zeitweise als moralisch fragwürdig?
 Wie wurde Kaffee vom kolonialen Genuss- und Heilmittel zum Treibstoff der Arbeitsgesellschaft?
 Welche Rolle spielten Werbung und Wissenschaft bei der Erfindung des „gesunden Starts in den Tag“?
 Und weshalb führt die Geschichte der Ovomaltine nicht nur in die Schweiz, sondern auch ins British Empire?

Link zum Artikel von Thomas Fenner: Ovomaltine – Nationalsymbol und Weltprodukt. https://www.bezg.ch/img/publikation/21_2/fenner.pdf

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00:02
«Zeitreise», der Podcast, der die
Vergangenheit hörbar macht.

00:06
Mit Ausflügen in unbekanntere
Kapitel der Geschichte.
Vorwärts und zurückwärts durch
das 20. Jahrhundert.

00:12
Über Umwege vom kleinen Detail
zum grossen Ganzen.
Ich bin Simone Rees.

00:17
Mein Name ist Barbara Miller.

00:24
Guten Morgen.
Ähm, Barbara.
Ja, wir kennen uns ja schon ein Zeitchen.
Und wir haben uns auch schon sehr oft
sehr früh am Tag getroffen.
Meistens im Büro.
Während der Diss, aber auch während Forschungsreisen.
Und haben dementsprechend so den einen oder
anderen Morgen miteinander verbracht.
Allerdings sind ja die Zeiten während
dem stressigen PhD,
würde ich jetzt mal behaupten,
nicht wirklich
aussagekräftig für unsere normalen
Routinen.

00:56
Hoffentlich nicht.

00:57
Also jetzt so in deinem Alltag.
Was isst du zum Frühstück?

 04
Ähm, guten Morgen.
Ich bin von der Fraktion Müesli.
Müesli mit Früchten und Joghurt.
Genau.
Aber ich muss ehrlicherweise sagen, erst seit
ich Kinder habe, die es morgen essen.
Vorher war es bei mir der Kaffee
und nichts dazu.
Ich war eine von denen. 
Und du?
Ich weiss es wirklich nicht bei dir.
Ich habe im Fall darüber nachgedenkt, bei
der Vorbereitung zu diesem Podcast.
Und habe so gedacht, ich weiss wirklich nicht,
ob Simone frühstückt oder nicht.

 32
Ja, ich weiss auch, warum
du das nicht weisst.
Nein, ich gehöre – also es ist eine kurze
Geschichte bei mir – weil ich gehöre immer noch zu der Fraktion Kaffee.
Und wenn ich mal kaffeefreie
Zeit mache, und das
mache ich wirklich, das weisst
du, dann ist es eben Tee.
Ich habe es wirklich lange Zeit probiert,
da man das ja eingebleut bekommt,
verkrampft in meine Routine
zu integrieren.
Weil das ja so vermeintlich gesund sei.
Sehr erfolglos.
Für mich hat es sich sehr
ungesund angefühlt.
Vielleicht hat es auch nicht geholfen,
dass ich es ZZ genannt habe.
Also "Zwangs-Zmorge".
Allerdings bin ich dann sehr fest
an Bord beim Brunchen.
Also das ist für mich dann so ein Inbegriff
von Wochende und Ferien.
Aber das ist ja etwas ganz anderes.
Das ist dann viel später am
Tag, nach Lektüre und
Bewegung und man macht es zusammen
und nimmt sich Zeit.
Aber so das Schnelle zum Zweck
von vermeintlicher
Energiezufuhr, etwas stressig hinunter zu 
würgen, das habe ich aufgegeben.

02:39
Du beschreibst es jetzt auch nicht wahnsinnig
attraktiv, muss ich sagen.
Es gibt ja auch Leute, die extra
früh aufstehen, um
dann ganz in Ruhe noch ihr Frühstück
geniessen zu können.

02:50
Ja, und das finde ich schön,
wenn man das kann.
Mir gibt es einfach nichts.
Ich bin auch dann eher so, wenn
es neun Uhr ist, so mit
einem Smoothie oder so, da kann
ich dann wieder mitmachen.

03:02
Um neun Uhr bist du dann dabei. 
Ja, wir sind schon voll drin im Thema.
Wir haben schon ganz wichtige
Aspekte angesprochen.
Und es ist ja schon spannend, dass man
diese Frage überhaupt stellen kann.
Oder was isst du am Morgen?
Man kann nicht fragen, was
isst abends?
Das ist mega unterschiedlich.
Das kann vom Birchermüesli oder Grießbrei
bis zur Rösti alles sein.
Aber beim Frühstück sind wir ein bisschen
festgefahren, sage ich jetzt mal.
Wir ändern unsere Gewohnheiten in dem
Zusammenhang eigentlich selten.
Vielleicht variiert man ab und zu.
Trotzdem bleibt man meistens eigentlich
bei einer spezifischen Form.
Sei das jetzt eben das Müesli oder
Brot mit "Hung" äh Konfitüre, 'tschuldigung.

03:42
Mit "Hung"? Pardon

03:44
Mit "Hung", ja.

03:47
Ja, das ist ein ganz wichtiger Punkt.
Eigentlich kann man ja sagen, dass
zu früher Stunde ist
der Mensch im wahrsten Sinne des
Wortes ein Gewohnheitstier.
Wir sind sehr konsistent in
unserer Frühstückswahl.
Oder zumindest was die Richtung angeht. 
Also jemand, der gerne süss frühstückt, wird sich wahrscheinlich eher schwer
tun, mit einem salzigen Frühstück, wie
beispielsweise Bacon and Eggs.

04:15
Das merkt man ja auch immer, wenn
man reist, oder?
Und dann eben mit einer anderen
Frühstückskultur konfrontiert wird.
Und ich hatte mit dem am meisten Mühe.
Also ich habe mich immer sehr gefreut auf ausländische
Küchen und das auszuprobieren.
Aber am Morgen hätte ich gerne das
gehabt, was ich gekannt habe.

04:32
Mhm.
Ich bin mal mit einer Freundin vor über
zehn Jahren nach Thailand gereist.
Und sie hat wirklich am ersten
Morgen, als wir
dort waren, also nach einer
Nacht, hat sie gesagt,
ah, es wäre so schön, jetzt einfach
ein Stück Brot mit Butter.

04:48
Ja genau, beim Frühstück zeigt sich unsere Struktur, die wir suchen.
Ja, und das hat natürlich auch ganz fest damit
zu tun, wir wir aufgewachsen sind.
Weil, also sehr oft ist es ja das, was wir
im Erwachsenenalter frühstücken,
ist auch das, was uns quasi in unserer
Kindheit auftischt worden ist.

05:07
Ja, und Kindheit und Frühstück
ist ein gutes Stichwort,
weil die erste Mahlzeit vom
Tag, die ist ja
über Jahrzehnte ganz massiv
aufgeladen worden.
Also die Botschaft war, das Frühstück ist
die wichtigste Mahlzeit vom Tag.
Wer nicht richtig frühstückt, der kann
eigentlich den ganzen restlichen
Tag nichts leisten.
Also eigentlich ist das Frühstück
fast ein bisschen
zu einem Ausdruck der Leistungsgesellschaft
geworden.
Und viele, viele Kinder, ich inbegriffen,
sind am Morgen zu Essen genötigt worden,
weil man eben das Gefühl hatte, wenn du
nicht richtig isst, dann gibt
das sicher nichts.

05:41
Wobei man eben ja in diesem Kontext, gerade
auch durch die Werbung,
versucht hat die Kinder wie auch die
Eltern zu überzeugen,
dass das durchaus auch Spass machen kann.
Also ich glaube, wir haben alle dort auch
Erinnerungen an die Werbungen
von den 90er-Jahren,
2000er-Jahren, wo ja oft eben gerade Kinder
als primären Markt hat angesprochen,
wo in diesem Zusammenhang
eine sehr wichtige
Rolle gespielt hat und noch
bis heute spielt.
Also gerade im Fernsehen hat
man ja versucht,
durch die Werbung immer wieder die
Leute davon zu überzeugen,
dass nur, wer ein gesundes Frühstück zu sich nimmt,
überhaupt in der Lage ist,
den Tag zu meistern.
Und idealerweise noch besser
als alle anderen.
Also so ein kompetitives Verhältnis.
Und das wird natürlich wiederum insbesondere
auf Kinder zugemünzt.
Und wenn man sich das ein bisschen
genauer anschaut,
fallen die einen oder anderen komischen
Auswüchse auf,
weil das, was für einen gesunden Start in dem Tag angepriesen wurde 
sind ja nicht unbedingt gesunde
Lebensmittel gewesen.

06:49
Nicht unbedingt, nein.
Also was ich auch lustig
finde, ist, dass es
ja immer so die heilen Familiensituationen
sind,
wo alle an dem Frühstückstisch sitzen
und die Mama, ja, die Mama,
bringt ein feines Frühstück auf den Tisch.
In der meisten Familien ist der
Morgen ja extrem stressig,
weil irgendwie alle aus dem Haus müssen
und also das mit dem gemütlichen
Frühstücken ist
wahrscheinlich in vielen Familien
gar nicht so Realität.
Und eben, was man dann vorgekaukelt,
vorgeschrieben hat,
was man zu sich nehmen sollte, eben ganz
furchtbare Sachen eigentlich.
Also spontan kommen mir vor allem die vielen
Werbespote für Nutella in den Sinn.
Ein schön gedeckter Frühstückstisch mit
durchaus gesunden Sachen drauf,
Vollkornflocken, Orangensaft etc.
Und mittendrin steht ein gigantisches Glas mit Schokoladencreme.

07:34
Und also Nutella hat ja auch ganz lang,
bis in die 1980er Jahre,
mit vermeintlich gesunden Inhaltsstoffen
geworben.
Das dürfen sie mittlerweile nicht mehr.
Aber die Slogans spielen ja
weiterhin darauf an.
Also mir kommt vor allem er in den Sinn, ich
glaube, das war in den 2000er Jahren,
"Es braucht viel Energie, Kind zu sein".
Und dann beisst das Kind genüsslich
in ein Schokoladenbrot,
das eben die vermeintliche
Energie liefern soll.

07:59
Und ich verknüpfe es vor allem mit
Erinnerungen an die ganzen Frühstücksflocken-Werbungen.

08:05
Ja, die auch.

08:06
Ja, genau.
Wie zum Beispiel die Coco Pops, das war
ja mehr Dessert als Frühstück.
Wenn man es mal so anschaut.
Oder die Fruit Loops,
die mit einer kunterbunten Optik, die
Kinder als Kundinnen gewinnen sollten.
Und auch gewonnen haben.
Also das war super erfolgreich.
Ich mag ja eigentlich gar
nichts Süsses.
Und mochte es auch als Kind
nicht.
Aber ich hatte das Gefühl, ich
müsste es eigentlich mögen,
weil es zu meiner Identität als Kind gehöre,
so zu essen.
Also das war schon sehr überzeugt.

08:36
Ja, und gleichzeitig hat es
den Eltern beruhigt,
dass man dem Druck nachgeben konnte
oh, immerhin isst mein Kind
jetzt ein Frühstück.

08:43
Genau, genau.
Auch wenn das halt
- ich habe noch in paar -  die Cini Minis waren.
Hattet ihr die auch?

08:49
Die mochte ich nie. 

08:52
Die haben ja auch mehr Zucker
als sonst irgendwas.
Also da kann man auch Zucker in Reinform zum Frühstück geben. 
Ja, und solche Produkte sind ja beworben
worden mit Slogans wie
"den Tiger in dir" sollten sie wecken. 
Und gaben vor, dass man nach dem Konsum
von einer Schüssel purem Zucker
sportlicher und fitter und
geistig wacher sei.
Also die Werbung hat es wirklich
sehr geschickt geschafft,
Süssigkeiten als Bestandteil eines
reichhaltigen und gesunden
Frühstücks zu vermarkten.

09: 
Ja, also zum Beispiel gerade bei
Nutella von Ferrero,
das ist ganz bewusst als 
Frühstücks-Lebensmittel vermarktet worden,
um andere Ferrero-Süssigkeiten
nicht zu konkurrenzieren.
Dann hat man noch eine weitere
Nische besetzen können.
Wo isst man noch kein Süsses?
Oh, zum Frühstück!

09:46
Ja, also es ist wirklich so ein
extremer Markt entstanden
mit ganz spezifischen Lebensmitteln,
die wir heutzutage alle mit
im Frühstück verbinden.
Aber, und jetzt kommen wir endlich mal
auf den historischen Kontext,
die Entwicklung ist eigentlich
noch gar nicht so alt.

10:02
Genau.
Wir schauen uns das vielleicht schnell
gerade noch ein bisschen näher an,
in der Antike zum Beispiel,
hat man zwar auch schon drei Mahlzeiten
am Tag gegessen,
aber die konkrete Zeit für die Mahlzeiten
war sehr flexibel
und hat sich auch immer wieder
verändern können.
Also nicht so das Durchgetaktete, wie
man es heute kennt.
Zur ersten Mahlzeit,
die entweder am frühen Morgen
oder irgendwann ist im Verlauf
am Vormittag
zu sich genommen wurde,
sind dann unterschiedliche Sachen
typisch gewesen,
vor allem Brot, Käse, Oliven,
Salat, Nüssen,
aber auch kaltes Fleisch vom Vorabend.
Also einerseits salzig-deftig,
und andererseits eigentlich das,
was wir heute eher so auf einer 
Apéroplatte erwarten würden.

10:52
Ja, absolut.
Es klingt mega fein.
Es sind alles Sachen, die ich
extrem gerne habe,
aber jetzt gleich nach dem Aufstehen,
ich glaube, das wären mir...
Eben, wir sind festgefahren,
in unserem Frühstücksritual.

11:03
Es trifft nicht auf deine Müesli-Kultur.

11:05
Nein.

Genau, aber dann im Mittelalter
ist die Völlerei von drei
Mahlzeiten am Tag
zusehends verpönt worden.
Also Völlerei als eine der Todsünden.
Zumindest nach offizieller
Kirchendoktrin.
Also es war eher Fasten das
Gebot der Stunde.
Und echte mittelalterliche Moralisten
haben nicht mehr Nahrung gebraucht,
als die zwei Mahlzeiten am Tag.
Also ein leichtes Mittagessen
und dann ein reichhaltiges Abendessen.
Und eben das Frühstück
wurde von der katholischen Kirche
eher als unfein angeschaut.
Also das macht man nicht. So.

11:44
Ja, aber es stellt sich natürlich
auch die Frage,
wie viel körperliche Arbeit
die echten Moralisten
mit ihrer Sittenpolizei haben
leisten müssen.
Genau, interessant
In diesem Zusammenhang,
also betreffend der Verbindung
zum Fasten mit dem Frühstück
finde ich hier natürlich auch
so die sprachliche Dimension.
Weil in vielen europäischen Ländern
hat sich das Fasten
ja dann auch in die Namensgebung
für die erste Mahlzeit am Tag
abgefärbt.
Also das Breakfast,
also das Fastenbrechen im Englischen.
Genau so wie im französischen
dejeuner,
also jeûner,
meint auch fasten.

12:26
Und in anderen Sprachen
wird dann eher
auf Tageszeit
oder auf den Tagesablauf verwiesen.
Also das Frühstück
im Deutschen
oder die erste Mahlzeit,
la prima colazione
auf Italienisch
oder natürlich
z Zmorge
im Schweizerdeutschen.

12:43
Das Schweizerdeutsch ist eh
nicht sehr fantasierreich, muss man sagen:
Zmorget
Znacht
Znüni
Zvieri

Ja, genau.
Da waren wir eigentlich nicht so kreativ.
Also eben im Mittelalter
war eher Fasten angesagt.
Eine Mahlzeit in den frühen Morgenstunden war akzeptiert
bei ärmeren Leuten,
die schwer arbeiten mussten
und für alle diejenigen,
die nicht bis zum Mittag durchhalten konnten. 
Also für Kinder,
für Kranke
oder auch für ältere Menschen.
Aber jetzt gerade
bei Männern, bei wahren Männern, 
war es eher peinlich zuzugeben,
dass man am Morgen isst. 
Also so beschreibt es
zumindest Heather Arndt Anderson
in ihrem Buch "Breakfast. A History".


13:26 
Ein anderer Punkt,
den ich bei Anderson sehr spannend gefunden habe, 
ist, wo sie in Bezug
auf England
im 13. Jahrhundert
ausgeführt hat,
dass das Frühstück hauptsächlich aus einem Stück Roggenbrot mit Käse. 
und dann einem Ale, also einem Bier, bestanden hat.
Und auf diesen Aspekt von Alkohol zum Tagesstart
gehen wir ja dann noch ein bisschen ausführlicher ein. 
Aber sonst Brot und Käse und einfach das was vom Vortag noch übrig gewesen ist.
Also auch hier müssen wir wieder uns daran erinnern, dass es zu dieser Zeit ja 
noch nicht die gleichen Konservierungsmöglichkeiten gegeben hat
wie zum Beispiel Kühlschränke heute oder?
Also das Frühstück ist natürlich auch an die saisonalen Konditionen gebunden gewesen. 
und eben andererseits an die Lagermöglichkeiten
und das, was verwendet werden musste.


14:19
Ja die Konservierung und die Zubereitungsarten oder?
Du musst es eben auch alles zubereiten. Es gab noch keine fertigen Corn Flakes.
Also das betonen, ja auch andere Food-Historiker und -Historikerinnen.
Also man hat einfach gegessen, was da war und ohne großen Aufwand zubereitet werden konnte.
Also auch Nahrungsmittel, die wir heute noch auf dem Frühstückstisch haben
sind vor allem dort gelandet weil sie eben rasch zubereitet werden konnten.
Zum Beispiel Haferbrei, Porridge,
oder auch Eier in unterschiedlichen Zubereitungsarten.
Die werden sowieso am Morgen gelegt von den Hühnern und dann kann man die gleich in die Pfanne hauen und gut ist quasi

14:56
Was ganz spannend ist, wenn wir eben so weit zurückschauen, ist, 
das im Gegensatz zum Credo der letzten Jahrzehnte
Ärzte um 1500 sogar vor dem Frühstück gewarnt haben
Also nicht nur die Sittenpolizei, die du vorhin erwähnt hast, sondern wirklich auch von ärztlicher Seite
Und zwar mit der Begründung, dass es als ungesund galt zu essen, bevor das vorherige Essen
also das vom Vorabend komplett verdaut geworden ist.
Und man hat eher einen flotten Morgenspaziergang empfohlen um den Kreislauf und die Verdauung in Schwung zu bringen.
Also Bewegung statt Nahrung.


15:40
Genau.
Man muss aber natürlich auch sagen, dass die Fastenvorgaben jetzt längst nicht von allen umgesetzt worden sind
auch viele Personen aus besseren Verhältnissen, die jetzt nicht hart körperlich arbeiten mussten
haben morgens etwas gegessen und haben sich damit über die kirchlichen und medizinischen Vorgaben hinweggesetzt
das Frühstück hat sich sogar immer mehr verbreitet und spätestens 
um 1700 hat es dann sein Stigma verloren und ist breit praktiziert worden.


16:20
Auch hier ist es wichtig anzumerken, dass dies natürlich von einer Veränderung begleitet wurde.
Denn die Kritik der Obrigkeit am Frühstück war zumindest zu gewissen Teilen auch darauf zurückzuführen
dass typischerweise zu den Mahlzeiten Bier oder andere alkoholische Getränke konsumiert worden waren
Jetzt lag das nicht daran
oder zumindest nicht nur,
dass eine wahnsinnige Trinkfreudigkeit unter den Menschen im Mittelalter verbreitet gewesen wäre
sondern eher an der damaligen schlechten Wasserqualität
Und das wird jetzt eben auch wichtig für den weiteren Verlauf des Podcasts,
denn die morgendliche Hydration mit Wasser, das nicht abgekocht war
hat zu verheerenden gesundheitlichen Problemen führen können.
Also Alkohol war quasi eine Gesundheitsmaßnahme, so paradox das heute auch klingen mag.

17:14
Man konnte das Wasser desinfizieren mit Alkohol
oder abkochen
und abgekochtes Wasser als solches ist herzlich wenig Genuss
Ich glaube, da wäre ich auch eher aufs Ale umgestiegen
Aber als dann Heißgetränke in Form von Kaffee und Tee immer beliebter wurden
gerade eben als Morgengetränk, konnte auch die Kirche das Frühstück endlich gut heißen
Und Kaffee und Tee haben dann sehr rasch die Frühstückskultur geprägt 
und prägen sie auch bis heute im globalen Massstab.
Der französische Geograf und Historiker Christian Grataloup
schreibt in seinem Buch "Le monde dans nos tasses", also "Die Welt in unseren Tassen"
dass das Frühstück eigentlich erst dann zu dem geworden ist, was es heute ist
als die Welt grösser wurde. 
Also dass das Frühstück eigentlich ein Produkt der Globalisierung sei.


18:08
Ja, und damit vom Kolonialismus.
Im Gegensatz zum Kakao kann man zwar sagen,
dass Tee und Kaffee bereits auf dem Landweg nach Europa gekommen sind
Also der Kaffee via Jemen,  durch die türkischen Kaffeehäuser nach Italien, Wien und nach ganz Europa.
und Tee aus China über die sogenannte Karawanenroute, 
dann in den arabischen Raum und auch nach Russland, bis auch in die Länder Osteuropas.


18:41
Darf ich ganz schnell dazu etwas sagen?

18:44
natürlich.


18:44
Ich habe irgendwo gelesen, es gebe...
jetzt muss ich schauen, dass ich nichts Falsches sage.
Aber ich glaube, in der westlichen Hemisphäre gäbe es wie zwei Wortstämme für das Getränk.
Einer ist irgendwie Tee, Tea, Thé, etc.
und der andere ist Chai, Cha, etc. alle diese Begrifflichkeiten. 
Und das liegt eben daran,...
Sowohl Tee wie auch Chai oder eben Cha seien chinesische Ausdrücke für Tee
der Eine aus dem Norden, der andere aus dem Süden
und auch quasi überall dort, wo der Tee auf dem Landweg hinkam
sagt man heutzutage eben Chai, Cha, etwas in diese Richtung
und überall wo er auf dem Seeweg nachher hinkam,  aus dem Süden von China exportiert, sagt man Tee.
Ich weiß nicht, ob es stimmt. Ich habe das nur irgendwo gelesen und konnte es nicht weiter verfolgen.
ich finde es einfach sehr spannend.

19:39
Das ist auch hier in Südafrika, also ich bin ja in Südafrika
hier differenziert man ja zwischen "real tea und dann alles andere.
Also Green Tea oder Rooibos, der hier sehr populär ist 
und dann gibt es Real Tea und Real Tea ist dann der British Breakfast Tea. 
Pfefferminztee ist für mich genau so ein realer Tee.


20:04
Ah, ah, ah!
Da muss ich nun aber widersprechen!
Tee meint eigentlich das Getränk der Tee-Pflanze also eben schwarzen Tee oder grünen Tee.
Grüner Tee wird übrigens von der gleichen Pflanze hergestellt wie schwarzer Tee
Tee, spannende Geschichte, wir könnten lange über Tee...

20:19
Wir haben einen sehr generellen Tee-Begriff natürlich im deutschen Sprachgebrauch. 
verwenden wir ja Tee für alles,
für jegliches Kraut, 
ähm,
äh,
das irgendwie mit heißem Wasser aufgegossen wird

20:33
Mit Wasser in Berührung kommt genau.
Aber die Franzosen machen das ja auch.
Also im Französischen differenziert man ja auch zwischen Tisane und Thé.
Also von dem her...

20:45
Naja, was eigentlich der Punkt war, den ich eigentlich machen wollte, ist, 
dass ja eben Kaffee und Tee  durchaus schon zugänglich waren in Europa
und auf dem Landweg gekommen sind, aber - 
und das ist eben ganz zentral für die Geschichte des Frühstücks -
ähm,
erst ab dem späten 17. Jahrhundert sind Kaffee und Tee dann zu Konsumgütern für die breite Bevölkerungsschicht geworden. 
Und das hängt nun eben mit dem Kolonialismus zusammen.
So, jetzt haben wir den Bogen wieder geschlagen!


21:14
Ja ihr merkt es schon: es gibt wahnsinnig spannende Geschichten rund um die beiden Getränke Kaffee und Tee.
und wir können das hier nur ganz verkürzt ansprechen.
Aber ein ganz zentraler Aspekt ist zum Beispiel, dass...  
Im 16. Jahrhundert hat die British East India Company
also diese Handelsgesellschaft, die wesentlich mehr gewesen ist als eine Handelsgesellschaft, 
muss man ehrlicher Weise sagen
diese Company hat das Monopol für den Handel mit China errungen
und damit eben auch für chinesischen Tee.
Und China hat das Geheimnis des Tee-Anbaus sehr streng gehütet
und hat sich die Exporte von Tee in Silber und Gold bezahlen lassen von den Briten
Also die Chinesen haben gesagt, wir wollen eigentlich keine Waren von euch
wir haben bereits alles
wir wollen Silber und Gold für diesen Tee
Und so bestand immer ein Handelsüberschuss zugunsten von China, was die Engländer natürlich genervt hat. 
Und so haben sie angefangen, Opium aus Indien nach China zu bringen
Die Chinesen haben das Opium in Silber bezahlt und mit dem Silber haben die Briten wieder Tee gekauft.
Also das Silber war wirklich nur ein Zwischenmittel. Eigentlich kaufte man Opium gegen Tee.
Der Opiumkonsum wurde der chinesischen Obrigkeit sehr schnell ein Dorn im Auge
und sie haben die Opiumvorräte beschlagnahmt.
Daraufhin hat 1839 Großbritannien China angegriffen und gewonnen in diesem ersten Opiumkrieg
Und ganz entscheidend war,
damit ist das Geheimnis des chinesischen Tee-Anbaus gefallen
Und Großbritannien nahm Tee-Pflanzen mit in eine seiner größten Kolonien
nämlich nach Indien also vor allem rund um Darjeeling,
und hat damit den Tee-Anbau in Indien groß gemacht
und hat quasi damit seinen eigenen Tee
wenn man so will
oder zumindest in seinen eigenen Kolonien angebauten Tee exportieren können
und musste nicht länger China dafür bezahlen

23:19,708    23:20,625
Spannend.
Vielleicht schauen wir auch noch schnell auf den Kaffee,
 denn hier haben die arabischen Händler das Monopol gehabt
Der Kaffee wächst ja bekanntlich auch nicht im europäischen Klima.
Mit der Kolonialisierung von außereuropäischen Regionen 
 haben die Niederländer und später die Briten angefangen, in anderen Teilen der Welt Kaffee anzupflanzen
vor allem in Südostasien und in der Karibik
Und so haben dann auch vor allem sie von diesem wachsenden Markt profitiert.

23:55
Eine ganz kleine Nebenbemerkung zur Geschichte der beiden Getränke und ihrer Bedeutung in der Geschichte
Wir kennen wahrscheinlich alle den Moment der Boston Tea Party, als die Kolonien in Amerika sich gewehrt haben 
gegen die hohen Zölle und Steuern vom Mutterland Großbritannien, insbesondere auf Tee.
Dann kippten sie eine ganze Schiffsladung Tee in den Hafen von Boston
Das war der Auftakt zu der amerikanischen Unabhängigkeit von Großbritannien.
Und Tee spielt hier eine sehr zentrale Rolle.

24:30
Was ich in diesem Zusammenhang sehr witzig finde, ist, dass hier häufig argumentiert wurde
Dass die Amerikaner:innen als Reaktion – quasi aus Patriotismus
auf Kaffee umgestiegen sein, also quasi als Abgrenzung zu Großbritannien.
Das hingegen ist ein Mythos.
Tee war noch für lange Zeit weitaus wichtiger als Kaffee
Was allerdings passiert ist:
Man ist von schwarzen auf grünen Tee umgestiegen
Bis heute spielt Tee eine wichtige Rolle in den USA
allerdings meistens in seiner kalten Version und mit sehr viel Zucker versetzt, als Ice Tea

25:16
Spannend.
Man bringt die USA eher mit Kaffee in Verbindung.
Wenn man an Filme denkt, die Cowboys am Lagerfeuer...
das sind die, die Kaffee schlürfen und nicht Tee.
Wobei, das wahrscheinlich auch mit den jeweiligen Zuschreibungen an die Getränke zusammenhängt.
Das ist ja auch ein kolonialer....
Ist ja auch ein Aspekt der kolonialen Geschichte dieser Getränke.
Denn als vermeintlich "exotische" 
hi hi, sind wir wieder bei diesem Begriff!
 Getränke waren sie einerseits sehr interessant in Europa oder in den USA
andererseits aber auch mit ganz vielen Vorurteilen behaftet

25:55
Ja voll, also das zeigt sich ja sehr schön, 
wie je nach Konsument oder Konsumentin ganz unterschiedlich argumentiert wurde
Hier vielleicht ein Beispiel, welches das sehr gut aufzeigt: 
die französischen Siedler:innen und Kolonialist:innen in Algerien zum Beispiel tranken sehr gerne Kaffee
vor allem weil sie davon ausgingen, dass er sie vor Krankheiten schütze.
und ihren Körper und Geist fit halte.
Hingegen wenn die Muslime, also die lokale Bevölkerung im Land
den exakt selben Kaffee getrunken haben
wurde argumentiert, dies sei Ausdruck ihrer fehlenden Arbeitsmoral,
sie würden lieber im Kaffeehaus sitzen statt wirklich zu arbeiten.
Also der umgekehrte Effekt oder?
Auf die algerischen Muslime haben die französischen Kolonisierenden einen Effekt gesehen des Kaffees
dass er sie in der Tendenz untätig mache,
ihre Faulheit verstärke, 
und das ist einer der absolut wirkmächtigsten kolonial-rassistischen Stereotypen
ein regelrechter Archetyp, 
den man Kolonisierten in ganz vielen unterschiedlichen Ländern zugeschrieben hat

27:13
Absolut,
wir müssen mal einen Podcast machen zur Arbeitsmoral.
Das gäbe eine spannende Geschichte.
Es kam auch noch eine vergeschlechtlichte Unterscheidung dazu.
Man ist davon ausgegangen, dass europäische Frauen 
im Gegensatz zu europäischen Männern viel schneller süchtig nach Kaffee werden.
Sie sollten sich dieser Suchtgefahr deshalb gar nicht erst aussetzen und darum keinen Kaffee trinken.
Bei den muslimischen Frauen in Algerien ist man davon ausgegangen,
dass der Kaffee sie auch träge mache
auch wenn der wahre Kaffee-Konsum der Frauen den Kolonialist:innen natürlich verborgen geblieben ist,
die gingen ja nicht ins Kaffeehaus wie die Männer.
Aber bei den Frauen war die Trägheit dann mehr aufgeladen, im Sinne von mysteriös und sinnlich.
Da hatte es eine andere Konnotation
So beschreibt das zumindest Nina Studer in ihrem Artikel.

28:06
Das möchte ich nur ganz schnell einhacken. 
Das sind natürlich zwei ganz wichtige Punkte, die du angesprochen hast.
Einerseits die Gefahr einer Sucht wurde ja auch dem Kakao zugeschrieben.
Und man hat natürlich auch hier vor allem wieder das weibliche Geschlecht als besonders gefährdet gesehen.
Und Zweitens in Bezug auf die Verflechtung mit dem Sinnlich-Mysteriösen:
Auch das zeigt sich wieder beim Kakao
dem eine erotisierende Komponente zugeschrieben wurde.
Er sei ein Aphrodisiakum sowohl für Männer wie auch für Frauen.
Also "Sexotisierung" in ihrer Reinform, um diesen Begriff zu verwenden.
In dem Wort Sexotisierung überkreuzen sich die Prozesse der Exotisierung und der Sexualisierung.
Wie das Jovita dos Santos Pinto im Schweizer Kontext gezeigt hat. 
Gerade in Bezug auf Kakao und Kaffee ist diese Form von Othering sehr deutlich. 

29:12
Offenbar hat Herr Casanova gesagt, um eine Frau zu verführen
müsse man nicht Champagner ausschenken sondern Kakao, das sei viel wirkmächtiger
Offenbar.
Und all diese kolonialen Vorstellungen und Stereotype haben ihren Niederschlag gefunden in der Werbung.
Für diese Produkte: Kaffee, Tee, Kakao
wurde mit den entsprechenden Bildern geworben.
PoC wurden abgebildet, häufig in kolonial-rassistischer Weise 
gerade Frauen auch ganz klar sexualisiert oder eben sexotisiert dargestellt und so weiter.
Damit haben sich rassistische Vorstellungen in den europäischen Gesellschaften zusätzlich verfestigen können.
Über diese Produkte: Kaffee, Tee und Kakao.

30:05
Dann darf man auch nicht vergessen, dass
Tee und Kaffee, auf einen ersten Schluck nicht unbedingt angenehme Getränke, sind.
Sie sind beide sehr bitter und darum haben Europäer und Europäerinnen ein weiteres koloniales Produkt
in großer Menge für das morgendliche Getränk gebraucht:
den Zucker.
Der wurde bis ins 19. Jahrhundert aus Zuckerrohr hergestellt
und musste entsprechend auch aus außereuropäischen Ländern importiert werden. 

30:40
Vielleicht versuchen wir mal den Faden wieder aufzurollen,
wie wir eigentlich auf die ganze Kolonialgeschichte und den Kolonialrassismus gekommen sind.
Denn es ist eben entscheidend... 
Der Kolonialismus hat entscheidend zum Siegeszug dieser Heissgetränke im Frühstück beigetragen.
Der der koloniale Handel, die Möglichkeiten für neue Anbaugebiete in den Kolonien,
also dass Grossbritannien selber Tee anbauen konnte oder Zucker oder Kaffee - 
Dafür braucht es Kolonien. 
Und eben auch - und das ist entscheidend - die kolonialen Produktionsbedingungen.
Denn nur weil bei der Produktion dieser Waren Sklavinnen und Sklaven eingesetzt worden sind,
konnte man die Kosten so niedrig halten
dass sich auch die einkommensschwächeren Bevölkerungsschichten in Europa diese leisten konnten.
Zumindest Tee und Kaffee. 
Kakao ist aufgrund der
arbeitsintensiveren Weiterverarbeitung trotzdem ein bisschen teurer geblieben. 
Aber nur darum waren diese Produkte so billig.

541
 31:40,208    31:43,208
Ja voll, also um vielleicht noch einmal
Christian Grataloup aufzunehmen, den du vorher schon erwähnt hast, 
der das so gut auf den Punkt bringt, 
dass in dem "die Welt in unsere Tassen" kam, die entstehende Frühstückskultur
entscheidend zur Plantagenwirtschaft und damit im Endeffekt zum Sklav:innenhandel, beigetragen. 
Oder vielleicht anders formuliert: 
Die Geschichte des Frühstücks hat eben auch mit Ungleichheit, 
 mit Unterdrückung und mit Gewalt im Weltmaßstab zu tun

32:15
Musik

32:28
Und mit Kapitalismus.
Die Medienwissenschaftlerin Ulrike Bergermann hat gesagt, dass die Getränke Kaffee, Tee und Kakao
eigentlich doppelte Katalysatoren des globalen Kapitalismus sind.
Einerseits werden Menschen und Menschenleben auf den Plantagen als wirtschaftliche Ressource eingesetzt.
Und andererseits produzieren sie Waren,
die in Europa als Wachmacher für die Arbeiter:innenschaft für das neu entstehende Proletariat fungieren. 
Also wenn man sie trinkt kann man länger arbeiten
kann man vielleicht besser arbeiten und damit zum Kapitalismus beitragen.

33:08
Denn Kaffee und Tee wurden nicht nur als Genussmittel angesehen, sondern auch als Heilmittel gehandelt.
Vor allem wegen der vermeintlich ernüchternden Wirkung des Kaffees
nicht zuletzt im Gegensatz zum bisher konsumierten Alkohol, der nicht unbedingt ernüchternd ist.
Und das hat diese Getränke natürlich auch für die Wirtschaft sehr interessant gemacht.
Gerade im Kontext der veränderten Arbeitsbedingungen der Industrialisierung.
Man kann sagen, dass die Industrialisierung für die Ausformung des Frühstücks, 
 wie wir es heute kennen, eine ganz zentrale Rolle gespielt hat.
Einerseits weil die Getränke wach gemacht und fit gemacht haben für die Arbeit in der Fabrik
Aber andererseits haben sich mit der Fabrik-Arbeitszeit auch ganz viele Aspekte 
vom alltäglichen Leben fundamental verändert. 

33:59
Genau, viel längere, vor allem strukturiertere und durchgetaktete Arbeitszeiten im Vergleich zu vorher.
Das beginnt ja schon damit, dass man zu einer ganz bestimmten Zeit am Arbeitsplatz sein musste
und damit auch zu einer bestimmten Zeit aufstehen musste
Übrigens ein Side-Fact:
In diesem Zusammenhang wurde auch der Wecker erfunden.

34:25
Und ein anderer Side-Fact: 
Es war das künstliche Licht, das den Schlaf verändert hat.
Hast du das gewusst?

34:33
Mhm.

34:34
Früher schlief man in zwei Phasen: bis Mitternacht und dann war man wach für ein paar Stunden
und nachher nochmal...
dieses Zwei-Phasen-Schlafen war offenbar recht verbreitet
und mit dem künstlichen Licht begann man dann
acht Stunden am Stück zu schlafen.

34:50
Wenn man es sich leisten konnte.

34:52
Genau. Genau. 

34:55
Für die anstrengenden Tage in der Fabrik wurde empfohlen,
anregende Getränke wie Kaffee oder Tee zu konsumieren.
Übrigens in Kombination mit Brot, Getreide und Zucker zur Abdeckung der notwendigen Kalorien.
Das ging offenbar so weit, dass die Arbeiter:innenschicht in England 
mehr Zucker konsumiert hat als die Mittelschicht oder die Oberschicht.
Also, der industrielle Kapitalismus brauchte eine Arbeiter:innenschaft,
deren Ernährung für die regelmäßige Disziplin der Fabrikarbeit geeignet war.
Dadurch wird das Frühstück ein Stück weit normiert
und sollte den Übergang zwischen Ruhezeit und getakteter Arbeitszeit beschleunigen.
In dieser Welt, die zunehmend von Uhren bestimmt wird, getaktet wird 
setzt sich endlich das morgendliche Frühstück als Norm durch.

35:50
Musik

35:59
Inhaltlich hat sich das Frühstück in Europa bis Mitte des 18. Jahrhunderts kaum verändert
Wenn etwas gegessen wurde, dann war das bei den Reichen vor allem Fleisch, Eier oder Suppe
Bei den unteren Schichten Brei, Haferschleim, altes Brot oder eben Bier.
Dann ab Mitte des 18. Jahrhunderts wird das Frühstück immer ausgiebiger.
In Grossbritannien entwickelt sich das, was wir als Full English Breakfast kennen: Speck, Eier, Bohnen, ... 
Aber auch in Amerika mit Lammkoteletts, Speck, Eiern, Hashbrowns und nicht nur in der obersten Bevölkerungsschicht

36:42
Und es waren genau diese Ausweitungen, die ein neues Produkt hervorgebracht haben:
Unsere Frühstücksflocken. 
Also Cereals. 
Vielleicht schauen wir uns das auch etwas genauer an.
Und zwar beginnt diese Geschichte mit einem Verdauungsproblem vieler Amerikaner:innen.
Diesem Problem wollte sich ein Gesundheitsinstitut annehmen
und zwar ein Sanatorium der Advertisten in Michigan 
Geleitet wurde dieses Sanatorium Ende des 19. Jahrhunderts von niemand Geringerem als von John Harvey Kellogg
It rings a bell!

37:26
Ja, genau!
Und um diese gesundheitlichen Verdauungsprobleme zu lindern
hat Herr Kellogg unter anderem Getreideflocken zum Frühstück entwickelt.
Und die sollten ganz bewusst nach nichts schmecken.
Weil über den gesundheitlichen Vorteil im Sinne des Verdauungstraktes hinaus,
hoffte Herr Kellogg, dass dadurch auch der Sexualtrieb gelindert werde.
Er hatte das Gefühl, sexuelle Tätigkeiten seien schlecht für den Körper.
Also geschmacksloses Essen sollte die Gesundheit fördern, eben auch durch eine Minderung des Sexualtriebs.
Herr Kellogg hat durchaus bekannte Persönlichkeiten in seinem Sanatorium behandelt.
Das Who is Who der damaligen amerikanischen Gesellschaft
Das war offenbar ein großes Bedürfnis.

38:17
Es klingt alles ein bisschen freudlos.
Geschmackslose Frühstücksflocken und auch sonst keine Freude im Leben.
Voilà.
Das fand auf jeden Fall auch John Harveys Bruder,
Will Kellog.
Er hat angeblich durch einen Zufall die Corn Flakes weiterentwickelt
Das führte dann auch zu Streit zwischen den beiden Brüdern
Einerseits, da Will die Cornflakes kommerziell unglaublich erfolgreich vertrieben hat.
Deshalb ist es uns heute auch noch allen ein Begriff.
Durch ganz geschickte Marketingstrategien.
Zum anderen natürlich auch weil er ihnen Salz und Zucker beimischte
und dies lief natürlich der Grundidee von seinem Bruder zuwider.

39:07
Auf jeden Fall hat Will Kellogg ein gigantisches Imperium aufgebaut, 
 das die Frühstückskultur für die nächsten Jahrzehnte in weiten Teilen der Welt mitgeprägt hat. 
Die Corn Flakes sind auch Teil einer Convenience-Welt des Frühstücks
Man könnte auch von einer Demokratisierung des Frühstücks sprechen.
Dazu gehört auch zum Beispiel die Entwicklung von löslichem Kaffee
oder die Erfindung des Teebeutels durch Herrn Lipton.
und die Trinkschokolade. 

39:38
Genau.
Das ist vielleicht auch noch spannend.
Die ist ja ursprünglich in Europa...
Der Kakao als Getränk war sehr teuer und nur für die Eliten zugänglich.
Es musste in vielen Arbeitsschritten zubereitet werden.
Er war viel komplizierter im Anbau wie auch im Transport.
Ihr beschlagnahmte mehr Volumen und Gewicht auf den Schiffen.
Im Gegensatz zum Tee konnte man ihn nicht mit Wasser strecken
und im Gegensatz zum Kaffee nicht mit Ersatzmitteln imitieren.
Darum war die Trinkschokolade sehr lange wegen den hohen Preisen ein sehr elitäres Vergnügen.

40:25
Dies änderte sich erst 18 .
Es gelang einem Apotheker aus den Niederlanden ein neues Verfahren zu entwickeln, 
um den Kakaobohnen das Fett zu entziehen.
Dann bekam man eine Masse, die man ganz fein mahlen konnte
und weil die eben weniger Fett hatte, löste sie sich besser in Wasser oder Milch auf.
Dieser Apotheker hat die Trinkschokolade explizit als 
 Stärkungsmittel für kranke Kinder und für ältere Menschen entwickelt.
Und ab den 1870er Jahren wurde das Kakaogetränk auch an Soldaten oder in Fabriken ausgegeben.

41:04
Dieses Abgeben an Soldaten, quasi an die ganze Armee, war nur möglich
weil das Schokoladenpulver deutlich günstiger war.
Die Masse war quasi ein Abfallprodukt der Schokoladenproduktion.
Da schaffen wir es endlich auch mal auf die Schweiz zu sprechen zu kommen, 
 die wir in diesem Podcast bis jetzt noch kaum erwähnt haben.
Wir kommen... we are getting there.
Um 1900 wird die Schweiz zum führenden Exportland für Schokolade
und weil da nebenbei auch Kakaopulver abgefallen ist, nimmt auch der Export von Kakaogetränken zu.
Aber man muss anmerken, dass die Niederlande weiterhin die Nase vorn haben.
In diesem Zusammenhang.

41:54
Aber 1900 war in der Schweiz ebenfalls ein Apotheker auch sehr fleissig am Tüfteln.
nämlich Albert Wander.
Er hat an einem dietetischen Nährmittel, also einem Kraftmittel, herum experimentiert
das nach den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft Eiweiss, Fett und Kohlenhydrate 
in einem optimalen Verhältnis enthalten sollte.
Er hat dafür Eier - Ovum - und Malz verwendet und so ist Ovomaltine. entstanden

42:32
Spannend finde ich hier auch, dass Herr Dr. Wander

42:37
Soviel Zeit muss sein!

42:39
gelernter Apotheker war
und die Ovomaltine zuerst auch in Apotheken verkauft wurde.
Also eigentlich wie ein Arzneimittel zur Stärkung gegen Krankheit oder für Kinder
aber beispielsweise auch für Frauen im Wochenbett.
Weil der Ovomaltine nachgesagt wurde, sie solle unter anderem die Stillfähigkeit erhöhen.

43:02
Genau und dann um 1920 ist Ovomaltine nicht mehr nur
als Gesundheitsmittel, als Nähr- und Stärkungsmittel angepriesen worden, 
sondern eben als Frühstücksgetränk für die gesundheitsbewusste bürgerliche Oberschicht.
Und das traf sich gut, weil in der gleichen Zeit hat das Amt für Gesundheit, Bildung und Wohlfahrt des Bundes 
versucht den Milchkonsum in der Schweiz zu fördern.
und dann hat man Ovomaltine quasi als optimale Ergänzung zu der Milch vermarktet

43:31
Genau,
diese Werbung hat Gesundheit und Leistungsfähigkeit versprochen
nicht zuletzt wegen der Vitamine.
Also in dieser Zeit haben ja Ernährungsforschende festgestellt,
dass die Zufuhr an Nährstoffen (also reine Proteine, Fette und Zucker) allein nicht ausreichen 
sondern genau so lebensnotwendige Zusatzstoffe
also sogenannte Vitamine in geringen Mengen zumindest vorhanden sein müssen.
Experimentell wurde das das erste Mal in den 1910er Jahren nachgewiesen
und ein gutes Jahrzehnt später wurde der Nobelpreis dafür vergeben.
Auf jeden Fall werden von Wander solche Forschungsergebnisse aufgenommen
und das Produkt wurde dementsprechend angereichert und optimiert durch die Zugabe von Hefe mit Vitamin B.
Und dadurch wurde ein Qualitätsprodukt geschaffen, welches im Gegensatz zur Konkurrenz keinen Kristallzucker enthielt
Einerseits und andererseits auch reich an Vitamin A und Vitamin B war

44:41
Ja, Wander konnte massive Steigerungen des Umsatzes erreichen, obwohl die Ovomaltine
die auch ein bisschen Kakao enthielt, wesentlich teurer war als beispielsweise der reine Trinkkakao von Suchard.
Kann den Umsatz massiv steigern und auch den Konsument:innenkreis immer mehr ausweiten.
Es wird nicht mehr nur für das Bürgertum angepriesen sondern auch der Arbeiter:innenschaft schmackhaft gemacht.
Und man hat auch die Schweizer Armee mit einer Notration beliefert,
nämlich mit einem gepressten Riegel aus Ovomaltine, den man entweder so essen konnte oder in Flüssigkeit auflösen.
Den hat man dann auch der Zivilbevölkerung angeboten und den gibt es heute noch.
Weisst du, was das ist?

45:21
Nein.

45:22
Ovo-Sport

45:23
Ah, okay.
Ja, macht Sinn. 
Ja, und schon wieder die Armee, oder?
Also das fällt da auf, die Armee als Absatzmarkt. 
Anfangs der 1950er Jahre sind dann durchschnittlich 30 Tassen Ovomaltine pro Kopf.
in der Schweiz getrunken worden pro Jahr.
Dann ging allerdings der Milchkonsum sukzessive zurück
und die Nachfrage richtete sich weniger an stärkende Getränke 
 sondern vielmehr an Kakao-Getränke mit einem intensiveren Schokoladengeschmack.
Aber Wander gelang es trotzdem
die Ovi als freizeitorientiertes Kulturprodukt der Nation Geltung zu beanspruchen.
Nicht zuletzt durch clevere Marketing-Kampagnen mit eingängigen Slogans

46:13
Häsch dini Ovo scho gha?

46:15
Genau.
Oder "Mit Ovo chasch es nit besser. Aber länger."
Genau. Und dann natürlich Kooperationen mit Sportler:innen, insbesondere im Skisport. 
Dort natürlich sehr wichtig, hat Wander es geschafft
quasi mit Ovi einen nationalen Identitätsmarker für die Schweiz zu bespielen.

46:39
Also gerade im Skisport war ja Ovomaltine omnipräsent.
Bernhard Russi, der nach dem Rennen da steht und seinen Becher Ovomaltine in der Hand hat während des Interviews.
Oder Didier Cuche, der hatte einen Ovomaltine-Helm.
Also immer wenn er aus dem Starthäuschen rausgehechtet ist, war Ovomaltinge ganz groß....
Jetzt könnte man die Geschichte des Schweizer Frühstücksgetränks der Ovomaltine 
wunderschön in der Schweiz enden lassen
Aber
die Geschichte der Ovomaltine hat auch eine globale und ja auch eine koloniale Dimension.
Aufarbeitet übrigens von Thomas Fenner
Seinen spannenden Artikel "Ovomaltine - Nationalsymbol und Weltprodukt" verlinken wir euch gern. 

47:20
Herr Wander begann schon sehr früh nach der Entwicklung von Ovomaltine über Exportmöglichkeiten nachzudenken
und er hat vor allem Großbritannien als geeigneter Absatzmarkt angesehen.
Was strategisch natürlich Sinn gemacht hat, weil zu Beginn des 20. Jahrhunderts 
hat das natürlich Zugang eröffnet zu zahlreichen Märkten des British Empire

47:43
Genau, das Problem war nur, dass es in Großbritannien bereits Malzgetränke gegeben hat. 
unter anderem eines, das Maltine hiess.
Darum musste Wander sein Produkt umbenennen
und es wurde fortan als Ovaltine in London produziert und in alle Ecken des britischen Weltimperiums exportiert.
In Grossbritannien selbst war man am Anfang skeptisch gegenüber diesem ausländischen Produkt.
Als es dann aber in der Werbung und eben auch unter dem neuen Namen als etwas Britisches vermarktet wurde
wurde es doch noch zu einem Erfolg. 
Vor allem im Zweiten Weltkrieg stiegen die Verkaufszahlen massiv an
und es wurde auch an britische Truppen geliefert
Wieder die Armee. 
Genau aber weil es unter neuem Namen und in London produziert wurde, ging der Schweiz Bezug verloren.
Es wurde nicht mehr so klar als Schweizer Produkt wahrgenommen auch in anderen Teilen der Welt.

48:43
Kürzlich erschien ein Artikel im "20 Minuten"
Da waren Menschen in Venezuela schockiert, dass das Produkt aus der Schweiz kommt.
Weil sie es ganz stark als ihr Nationalprodukt... 
Also die haben so Ovo in Tubenform, das sie dann aufs Brot streichen.
Und sie verbinden das so stark mit ihrer eigenen Kindheit und ihrer Heimat
dass sie sich überhaupt nicht vorstellen konnten, dass das aus dem entfernten Land, aus der Schweiz, kommt.
International hatte Van der mit seiner Ovaltine vor allem einen Konkurrenten aus der Schweiz selber, nämlich Nestlé.
Und dass diese Beziehung nicht zum Chaos eskaliert
haben die beiden 1925 vereinbart, 
dass das Berner Unternehmen seinen Kakao zur Herstellung von Ovomaltine exklusiv bei Nestlé bezieht
und dass umgekehrt das Unternehmen in Vevey kein Imitat von Ovomaltine herstellt.
So kam es quasi zu einer Art Gentleman's Agreement
und die beiden Hersteller haben den Weltmarkt untereinander aufgeteilt.

49:57
Aber dann, 
nach 1950, 
hatte die Dekolonisation und der Zusammenbruch des British Empire massive Konsequenzen für Wander. 
Denn die neu entstandenen Nationalstaaten in Asien, Afrika und Südamerika 
haben ihre Märkte abgeschottet zum Schutz von einheimischer Industrie
Und Wander war finanziell nicht in der Lage
neue Produktionsstätten in anderen Weltteilen zu eröffnen und wurde weitestgehend von Nestlé verdrängt.

50:28
Ausser in Venezuela, offenbar. 
Dort gibt es weiterhin Fabriken von Ovomaltine. 

50:37
Barbara. 
Das waren einige Aspekte, die wir zum Frühstück adressiert haben. 
Ich hoffe, man hat folgen können. 
Die Frage ist, was nehmen wir mit?
Oder was wir hoffen, dass ihr zu Hause oder wo auch immer ihr uns hoffentlich immer noch zuhört
mitnehmt?

50:58
Also sicher einmal die Tatsache, dass das Frühstück, wie wir es heute kennen, noch nicht so alt ist.
und sich eben unter ganz spezifischen globalen bzw. kolonialen Bedingungen entwickelt hat,
insbesondere was die Getränke anbelangt

51:10
Genau und da sich durch diese Entwicklung ein gigantischer Markt ergeben hat,
der verschiedenen Akteuren und Firmen zu immensem Reichtum verholfen hat.
Und auch immer wieder die Bedeutung der Werbung
die, einerseits immer wieder neu definiert hat
was auf den Frühstückstisch kommt und die Bedeutung dieser Mahlzeit eigentlich erst hergestellt hat
und zweitens zum Beispiel auch rassistische Bilder in der breiten Öffentlichkeit verbreitet hat.

51:37
Stand heute, also 2026
haben Ernährungswissenschaftler:innen eigentlich die meisten Mythen
die sich um das Frühstück ranken widerlegt.
Man ist weder unbedingt schlanker noch leistungsfähiger noch fitter
wenn man regelmässig frühstückt.
Niemand muss also ein "Zwangszmorge" zu sich nehmen. 

52:01
Ich wollte gerade sagen, du kannst also deine Versuche wieder aufgeben.
Vor allem kommt es eher darauf an, was man isst, bevor man überhaupt etwas isst.
Und was die Getränke anbelangt: 
Momentan spricht man dem Kaffee ja eher wieder positive Eigenschaften zu
nachdem er lange Zeit verdammt worden ist.
Und zwar wegen dem Koffein, 
das ja auch im Tee
im richtigen Tee nicht im Pfefferminztee.
enthalten
Entsprechend hat wohl auch der Konsum von Tee wahrscheinlich die eine oder andere positive gesundheitliche Wirkung.

52:33
Aber wir sind ja keine Ernährungswissenschaftlerinnen
und möchten hier natürlich auch keine Ernährungstipps geben
Aber als Historiker:innen können wir sagen,
nur wenn wir die Zusammenhänge und die Geschichte des Frühstücks kennen
wenn wir die einordnen können, können wir eigentlich auch reflektierter mit der Gegenwart umgehen.

52:56
Ja und da gibt es gerade im Zusammenhang mit Kaffee, Tee und Kakao 
 noch zahlreiche Weiterwirkungen der kolonialen Strukturen.
Die Lieferketten, die Kontrollen und schlussendlich auch die Profite
sind nach wie vor äußerst ungleich verteilt.
Und spätestens da kommt die Schweiz
die in diesem Podcast ein bisschen stiefmütterlich behandelt worden ist
wieder ganz, ganz zentral ins Spiel. 

53:22
Denn das wichtigste Exportprodukt im Bereich Nahrungs- und Genussmittel aus der Schweiz ist
nein es ist nicht der Käse und auch nicht die Schokolade. Es ist der Kaffee.
Also verschiedene Quellen schätzen, dass insgesamt 60-75% vom Kaffeehandel in der Schweiz abgewickelt werden
Unglaublich.

53:44
ja und die Gewinne dieses Rohstoffhandels bleiben
natürlich auch in der Schweiz,
während die Produzierenden selber häufig kaum kostendeckend produzieren können
Ja für diese Fakten, für diese Realitäten gibt es Gründe
und es gibt eben auch eine Geschichte.

54:03
Merci vielmal fürs Zuhören. 

54:05
Bis bald.