Zeitreise. Der Podcast

D’Badi: Körper, Konflikte und Kontrolle im Freibad

context lab

Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.

0:00 | 56:48

Kaum ein Raum bündelt Sommer, Erinnerung und gesellschaftliches Leben so stark wie das Freibad. In dieser Folge schauen wir auf seine Geschichte – vor allem auf jene des Marzilis, laut Stadt Bern das grösste und meistbesuchte Flussbad der Schweiz. Wir sprechen über das erste Baden in der Aare, über Hygienevorstellungen, Schwimmunterricht und Volksgesundheit sowie über Geschlechterordnung, Badebekleidung und öffentliche Moral.  Es geht um Seife im Wasser, getrennte Badebereiche, konservative Empörung über Gemeinschaftsbäder, oben-ohne-Debatten und demokratische Badeideale – und darum, weshalb die Badi zugleich Freiraum, Konfliktzone und Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen ist. Oder anders gesagt: Im Freibad wird nicht nur gebadet – dort wird seit Jahrhunderten auch verhandelt, wer wie sichtbar sein darf.

Wenn euch «Zeitreise» gefällt – abonniert den Kanal. Für Fragen und Feedback könnt ihr uns gerne eine E-Mail schicken an info@context-lab.ch.

Wer unsere Arbeit unterstützen möchte, findet uns auch auf Steady – wir freuen uns über jeden Beitrag, der uns hilft, weiterhin unabhängig durch die Zeit zu reisen!

Zeitreise – der Podcast, der die Vergangenheit hörbar macht. 

Mit Ausflügen in unbekanntere Kapitel der Geschichte. 

Vorwärts und rückwärts durchs 20. Jahrhundert

Und über Umwege vom kleinen Detail zum grossen Ganzen. 

Ich bin Simone Rees.

Und mein Name ist Barbara Miller 

Barbara, gerade in dem Moment, in dem wir diesen Podcast aufnehmen, ist es draussen kalt und eher ungemütlich. Dabei geht es ja heute um ein Thema, das wir alle ganz fest mit Sommer, also mit dem Sommer, der auch schönes Wetter verspricht, verknüpfen. Es geht nämlich um die Badi.

Und wenn wir Badi sagen, tauchen ja bei ganz vielen Zuhörenden wahrscheinlich sofort Bilder auf, z.B. das Blau vom Wasser, in dem sich die Sonne spiegelt. Aber auch Geräusche, wie z.B. Wasserspritzen oder Kinderlachen. Oder Gerüche von Sonnencreme, Glacé und Chlor. Und vielleicht sogar ein bisschen Gefühle von Ferien, Sommer, Sonnenschein und allenfalls sogar von damals, als man sich das erste Mal verliebt hat.

Die Badi ist ein Ort, der bei vielen von uns einen zentralen Platz im autobiografischen Gedächtnis einnimmt. Wir erinnern uns sehr genau an Erlebnisse und Erfahrungen aus der Badi, egal ob die erst ein halbes Jahr zurückliegen oder schon mehrere Jahrzehnte.

Genau, die Badi ist ein sehr wichtiger Ort. Einerseits individuell für jede und jeden von uns, aber eigentlich auch als gesellschaftlicher Raum. Wir kommen im Sommer in der Badi zusammen, bilden eine Gemeinschaft, sind Teil von etwas und damit entsteht ein gesellschaftlicher Mikrokosmos. Also auf kleinem Raum kommt das grosse Ganze zusammen.

 Genau. Und das – finden wir – ist Grund genug, diesem Raum eine eigene Podcast-Folge zu widmen. Und zwar machen wir das anhand einer ganz konkreten Badeanstalt. Ausgesucht haben wir uns nämlich nichts Geringeres als das grösste und meistbesuchte Flussbad der Schweiz, nämlich das Marzilli in Bern. Und die Stadt Bern schreibt auf ihrer Webseite eben neben der Bemerkung, dass es sich um das grösste und meistbesuchte Flussbad der Schweiz handelt, weiter

"Das Freibad-Mazili ist ein identitätsstiftender Ort städtischer Lebensqualität." Das sind durchaus grosse Worte, die wir aber glücklicherweise gleich einem ersten Test unterziehen können. Simone, du als Bernerin, als treue Marzilligängerin, nimmt die Stadt Bern mit dieser Aussage den Mund ein bisschen gar voll oder ist da was dran?

Ich werde gleich ins kalte Wasser geworfen. Ich versuche immer, meine Identitätsmarker einer kritischen und genauen Analyse zu unterziehen. 

Du bist viel zu reflektiert.

 Aber tatsächlich verbinde ich mit dem Marzili sehr viele Erinnerungen und Emotionen. Das hat einerseits damit zu tun, dass ich während meiner Studienzeit dort gewohnt habeAlso nicht im Marzili-Bad. Oder das auch? 

Ja, aber fast.

Ich habe grosse Teile meiner Masterarbeit z.B. im Marzili erlesen und erarbeitet. Wirklich nur einen Sprung weit vom Marzilli entfernt hatte ich meine winzige Wohnung. Was noch viel wichtiger ist, ist die Aare – das weisst du ja – ist für mich quasi Religion. 

Ich liebe alle Formen von Nass, aber ich finde schon, dass andere Flüsse, Seen und eigentlich auch das Meer der Aare nicht das Wasser reichen können. Der kam jetzt ein bisschen flach!

Ja, aber wir sehen, es ist schon etwas dran an dem Marzilli und an der Aare für euch Berner und Bernerinnen. 

Absolut.

Ja, ich würde sagen, machen wir uns auf ins Marzilli, in seine Geschichte und seine Geschichten. Wir sind für diesen Podcast tief eingetaucht in Quellen, vor allem in Zeitungsartikeln und haben uns ganz dem Aareschwimmen entsprechend treiben lassen. Von einer Geschichte zur nächsten. Wir zeigen euch, was hohe Welle geschlagen hat, was am Beckenrand verhandelt wurde und werden euch aus der Flut von aufgetauchten Geschichten ein paar erzählen. Ungefähr dem Fluss der Jahrzehnte folgend, aber auch immer wieder mit "Köpfler" in die Gegenwart. So jetzt lasse es mit den Badi-Wortspielen! Fangen wir also ganz von vorne an, denn gebadet wurde im Marzili eigentlich schon immer.

Aber da müssen wir kurz auf die Topographie eingehen. Was viele heute nicht wissen, ist, dass der Verlauf der Aare unterhalb des heutigen Bundeshauses bis 1968 ganz anders war, als wir ihn heute kennen. Nämlich war die Aare geteilt. Und in der Mitte gab es eine kleine Insel, die sogenannte Marzilli-Insel. 

Auf dieser Marzilli-Insel wurde schon lange gebadet. Konkret am inneren Aarelauf, also der, der näher beim Bundeshaus liegt. 1782 hat die Stadt die innere Aare zum Baden für die Jugend hergerichtet und das erste Bassin geschaffen. Aber weil das Areal nicht der Stadt Bern selber gehört hat, war das Bassin kostenpflichtig. Darum hat es von der Bevölkerung den Namen "Füferweiher" erhalten, weil der Eintritt 5 Rappen kostete.

Später wurde es auch als "Chrottenweiher" bezeichnet. "Chrotte" sind Frösche, oder? 

Mhm.

Weil das ruhige Wasser wurde auch von Tieren sehr geschätzt. Es waren nicht nur Menschen dort im Bad. 

Ja gut, das ist bis heute nicht der Fall. 1822 wurde die sogenannte Akademische Badeanstalt eröffnet, mit einem künstlichen, von der Aare gespeisten Becken. Die Badeanstalt wurde explizit für den Schwimmunterricht erbaut.

An dieser Stelle müssen wir schon das erste Mal über den Beckenrand des Marzilli hinausschauen. Denn wir haben es hier schon mit ganz wichtigen Aspekten der grösseren Badegeschichte oder der Geschichte der Badeanstalten zu tun. Erstens die Frage, warum kommt es gerade 1800 zu einer ersten Institutionalisierung des öffentlichen Badens in Bern, aber auch in anderen europäischen Orten?

Wahrscheinlich fallen hier den Meisten intuitiv im Kontext von öffentlichen Bädern vor allem die Römer ein. Aber es gab ja auch in anderen Erdteilen solche Badeanlagen. Wahrscheinlich war das älteste öffentliche Bad im heutigen Pakistan. Es entstand rund ⁓ 2000 Jahre vor Christus.

Auch im Frühmittelalter waren sogenannte Badehäuser bis Ende des 15. Jahrhunderts sehr beliebt. Diese waren allerdings viel mehr als einfach reine Orte der Körperpflege. Es handelte sich um soziale Treffpunkte, wo man auch gegessen, getrunken, musiziert oder sogar gefeiert hat.

So Badehäuser gab auch im Marziliquartier. Das lag sicher daran, dass man Wasser in der Nähe eines solchen Badhauses brauchte, an der Aare bietet sich also an.

Aber vielleicht lag es auch etwas am zweifelhaften Ruf dieses Quartiers. Das Marzilli als Stadtquartier war ja seit jeher eher berüchtigt anstatt berühmt, sagen wir es mal so. Wahrscheinlich ist es eine Frage nach Henne und Ei: Vielleicht standen die Badehäuser in diesem Quartier, weil es eben etwas berüchtigt war. Und vielleicht war es auch etwas berüchtigt wegen den Badhäusern.

Auf jeden Fall kommen die Badhäuser vor allem ab 1500 in zunehmende Kritik. Und zwar hatte das unterschiedliche Gründe. Erstens natürlich wegen der, du hast es schon angesprochen, angeblichen Sittenlosigkeit. Also die sind ja unter Verdacht gestanden, dass das Orte der Erotik seien, was dann vor allem die Kirche gestresst hat.

Zweitens, weil man es als Ansteckungsort von Seuchen, gerade auch im Rahmen von Pest-Epidemien, als gefährlich erachtet. Drittens, weil man auch dem Baden an sich skeptisch gegenüber gestanden ist, weil Ärzte zusehends davon abrieten. Das klingt für uns heute vielleicht etwas komisch, aber man ging damals davon aus, das Wasser könnte in den Körper eindringen und sich dort mit den sogenannten Körpersäften durchmischen. So hat eine Ära angefangen, in der sich insbesondere die Oberschicht vor allem parfümiert hat und sich nicht unbedingt mehr gewaschen hat. Das bekannteste Beispiel in diesem Kontext ist Louis XIV., der sogenannte Sonnenkönig, der scheinbar nur wenige Male in seinem Leben gebadete habe und auch Wasser hat an seinem Hof als gefährlich geholten. Darum hat man den Geruch als Siegel für Hygiene genommen, den man durch Parfüm, Puder und aufwendige Kleidung sicherstellte –  also eine Kultur der Überdeckung statt der Reinigung. Am Hof von Louis XIV. hat man im wahrsten Sinne des Wortes französisch geduscht.

Im wahrsten Sinn des Wortes. Das änderte sich erst im 18. Jahrhundert, als mit der Aufklärung anders auf Gesundheit, Medizin und Hygiene geschaut wurde. Jetzt wird die Körperpflege mit Wasser wieder populärer. 1761 ist z.B. das erste Badeschiff auf der Seine in Paris entstanden.

Darauf haben sich Badekabinen befunden, durch die man ins Flusswasser eingestiegen ist. Und gewisse Badewannen waren sogar beheizt. Man kann sich vorstellen, das war eher etas für die gut Betuchten und nicht unbedingt für die breite Bevölkerung.

Ja, wie luxuriös. Öffentliche Bäder sind vor allem ab 1830 in England im Rahmen der Industrialisierung aufgetaucht, wo immer mehr Menschen in den Städten zusammenkamen und dort auf engstem Raum gewohnt und gelebt haben. Und das eben oft unter sehr prekären Bedingungen und darum hat das dann natürlich auch zu Krankheiten geführt. Um dem entgegenzuwirken, wurden dann die öffentlichen Badeanstalten eingerichtet. Diese waren in England noch sehr streng nach Klasse aufteilt. Als es dann in Deutschland übernommen wurde, hat man das dann eher als „Becken für alle“ begriffen.

Diese öffentlichen Badeanstalten sollten der Volksgesundheit dienen und die Hygiene verbessern. Wobei, man darf natürlich nicht von der heutigen Wasserqualität ausgehen. Gerade die Wasserqualität relativiert das Argument, dass in Deutschland ein Becken für alle gegolten habe. Es war gängiger Usus, dass man das Wasser am Montag eingelassen hat. Nach dem dritten Tag wurden die Preise günstiger und dann konnten auch die Menschen in die Badanstalt, die sich den Montag noch nicht leisten konnten,

Auch im Zusammenhang mit dem Marzili finden sich in den Quellen Hinweise darauf, dass die Badeinfrastruktur vor allem auch aus hygienischen Gründen als notwendig erschienen ist. Wir dürfen hier auch nicht vergessen, dass Menschen damals natürlich noch kaum ein eigenes Badezimmer hatten. Da war der Kontext ganz anderes für solche öffentlichen Badeanstalten. So hat zum Beispiel das sogenannte „Intelligenzblatt für die Stadt Bern“ von 1893 gemeint, dass die Badeanstalt im Marzili vom sanitarischen Standpunkt aus sehr zu begrüssen sei. Aber dass es noch weitere Verbesserungen brauche, weil im Naturbassin der Aare komme es durch das „Herumlaufen auf dem Aareboden, zu einer Trübung des Wassers, die einen reinlichen Menschen vom Betreten eines solchen Bades zurückhält“. 

Drei Jahre später gab es in der gleichen Zeitung eine Auseinandersetzung, ob der Einsatz von Seife in der Badeanstalt im Marzili zu verbieten sie. Befürworter:innen haben vor der Unfallgefahr durch Seifenablagerungen am Boden gewarnt. Gegner und Gegnerinnen gaben zu Bedenken, dass die Badeanstalt Marzilli ein Volksbad sei, wo auch dem Ärmsten Gelegenheit geboten sein solle, seinen Körper gründlich zu reinigen. Wenn der Arbeiter seine Haut von Schweiss, Staub und Russ befreien will, ist ihm das im kalten Wasser nur durch den Gebrauch von Seife möglich. Darum ist das Einseifen nicht nur zu rechtfertigen, sondern den öfteren Gebrauch von Seife aus Reinlichkeits-Rücksicht zu wünschen. Nur, damit man einen Eindruck kriegt, wie es mit den frühen Badewasser-Qualitäten ausgesehen hat. Heute wäre man wahrscheinlich wenig angetan davon, was da präsentiert worden ist.

Absolut. Hier ist noch wichtig zu sehen, dass Hygiene einfach ein Punkt war, der wichtig war im Aufkommen von den öffentlichen Badeanstalten im 19. Jahrhundert. Denn genau so zentral war der sportliche und körperliche Aspekt, also das Schwimmen als Körpertraining, als Verbindung zwischen Wassersport und Pädagogik. Bezeichnend ist hier auch, dass die Entstehung der Akademischen Badeanstalt im Marzilli, die ich vorher erwähnt habe, im Jahr 1822 auf die Initiative eines  Gymnastiklehrers zurückgegangen ist, von Phokion Heinrich Clias, der auch Mitbegründer des Turnunterrichts in der Schweiz war.

Schwimmen war Teil der sogenannten Turnbewegung, die Anfang des 19. Jahrhunderts auch in der Schweiz entstanden ist. Sie wollte die körperliche und geistige Erziehung der Schweizer Jugend fördern und gleichzeitig liberale und nationale Ideen verbreiten.

 Wir haben hier einen allgemeinen Aufbruch zu mehr körperlicher Betätigung. Das Schwimmen wurde dabei als besonders gesund angesehen. In einem Artikel aus der Zeitung "Der Bund" von 1909 ist z.B. gestanden, ich zitiere hier schnell: "Es gibt keine bessere Turnübung als den Schwimmsport. Das stärkt die Muskeln, Nerven, Lungen."

Neben dieser aktiven Betätigung wurde übrigens auch explizit zum Sonnenbaden geraten, weil, Zitat, "die Sonne ist die richtige Guillotine für die Milliarden von Bazillen, die zufolge der ärztlichen Feststellung in unserem Körper zu logieren, genötigt sind."

Man sieht hier sehr schön, gerade auch in Verbindung mit den sogenannten Luft- oder Sonnenbäder: es gibt natürlich auch immer wieder Überschneidungen in der Entwicklung des öffentlichen Badens mit der Lebensreformbewegung. Aber das ist eine andere Geschichte und hoffentlich auch mal eine andere Podcast-Episode. Und zudem, wer sich für die Kulturgeschichte des Schwimmens interessiert, also Schwimmen als Sport, und wer wissen möchte, was das mit Samurai, Ritter und Hexenverbrennungen zu tun hat: Es gibt einen sehr hörenswerten Podcast von SRF, der heisst „Kulturgeschichte des Schwimmens“. Das kann man da sehr schön nachhören.

Jetzt wieder zurück auf den bernischen Kontext. Dort kam das Argument der sportlichen Gesundheit vor allem dann wieder auf, wenn es um den Ausbau oder die Erweiterung der Badeanlage ging. Beispielsweise diskutierte man vor allem in den 1960er breit darüber als es um die Errichtung von Hallenbädern ging. Also das Baden innerhalb von Gebäuden wurde gefordert, sodass man ganzjährig schwimmen konnte. Auch das kann man wieder sehr schön im Artikel der "Berner Tagwacht" von 1971 nachvollziehen, weil solche Bäder, stand dort, würden zur Volksgesundheit beitragen. Es handle sich beim Schwimmen um die gesündeste Betätigung zur Verhütung von "Haltungsschäden bei Jungen und Herzinfarkten bei den Älteren". Und darum sei auch die Investition von öffentlichen Mittel in den Bau von Schwimmbädern gerechtfertigt.

Das mit den Haltungsschäden hat man übrigens zu Beginn, also im ausgehenden 19. und Anfang des 20. Jahrhundert vor allem jungen Frauen zugeschrieben. Weil die oft eine Handarbeit gemacht haben, gestickt und gestrickt, dass sie mehr Haltungsschäden haben und deshalb sollten auch junge Töchter Schwimmunterricht geniessen.

Also 1822 mit der akademischen Badeanstalt wollte man bei der Volksgesundheit ansetzen und nahm dafür vor allem die Schulkinder ins Visier. Sie bekamen fortan Schwimmunterricht in diesem Aarebassin. Allerdings streng nach Geschlechtern getrennt.

Du hast jetzt zweimal das Zauberwort für diese Folge in den Mund genommen. Wir sind hier bei einem ganz wesentlichen Aspekt der Geschichte von öffentlichen Badis im Allgemeinen und auch bei einem Aspekt, der sich ganz spezifisch beim Marzilli nachzeichnen lässt – und zwar der der Geschlechterordnung, die immer wieder kontrovers debattiert worden ist. Denn Baden ist ja über lange Zeit nicht nur als ungesund angeschaut worden, sondern insbesondere auch als unschicklich.

Die Badeanstalten sind nicht zuletzt aus dem Bedürfnis entstanden, das sogenannte "wilde Baden" einzudämmen und sittliches Benehmen durchzusetzen und insbesondere auch das gemeinsame Baden von beiden Geschlechtern zu verhindern, also dass man das stärker regulieren kann. Zum Beispiel stand im "Berner Wochenblatt" 1824 eine Anzeige, dass auf allen Liegenschaften ausserhalb des Marzili-Bad strengstens verboten sei, sich auf denselben zum Baden auszukleiden oder wie es öfters auch auf die unanständigste Weise geschehen ist, nackt dem Aarebad nachzugehen.

Das Marzili hat wie andere Badis auch die Funktion gehabt, das Baden und damit die entblößten Körper in der Öffentlichkeit räumlich zu begrenzen und dadurch auch in die öffentliche patriarchale bürgerlich-konservative Geschlechtertrennung zu integrieren – und dadurch zu kontrollieren auf gesichertem Boden. Und so hat die Stadt Bern im ausgehenden 19. Jahrhundert immer mehr Land rund um die akademische Badanstalt erworben. Je grösser das "Marzili" wurde, desto stärker hat man es dann auch räumlich aufgeteilt.

 Die Geschichte der räumlichen und geschlechtlichen Aufteilung des Badeplatzes im Marzili ist höchst spannend, aber gleichzeitig auch sehr komplex. Vor allem, wenn man mit den Örtlichkeiten vielleicht nicht so vertraut ist. Ich versuche, das etwas aufzudröseln. Du korrigierst mich, Simone, wenn ich irgendwelchen "Chabis" erzähle. Ab den 1880er-Jahren badeten die Buben und Männer im unteren Teil der Marzili-Insel. Dort, wo die beiden Arme der Aare wieder zusammenflossen. Und Frauen und Mädchen badeten am oberen Ende der Insel. Und dann zwischen 1923 und 1930 wurde die Anlage weiter ausgebaut bzw. noch mehr Land wurde von der Stadt aufgekauft. Und es sind die folgenden Unterteilungen entstanden: Das "Bubeseeli" oder der "Bueber" ganz unten auf der Insel. Dann das Männerbad. Anschliessend gab es ein Familienbad, das aber kein künstliches Aare-Bassin hatte, sondern nur die freifliessende Aare. Und oben das Frauenbad mit einer abtrennten Ecke, dem sogenannten "Paradiesli", das für Frauen ohne Kinder reserviert war. Sie durften sich dort auch nackt ausziehen. Das "Paradiesli" gibt es bis heute.

Ja, furchtbar kompliziert, aber ich hätte es nicht besser beschreiben können. 

Yes!

Schon bald wurde diese Aufteilung kritisiert. So hat zum Beispiel jemand in einer Leserzuschrift an den "Bund" im August 1949 gemeint, dass die räumliche Aufteilung nach Geschlecht seinerzeit zwar noch den Bedürfnissen genügt hätte, "als man mit dem zur Verfügung stehenden Raum noch nicht zu Haushalten hatte und das Badeleben besonders im Familienkreis noch nicht die Verbreitung fand, wie dies heute der Fall ist." Also kritisiert wird hier ganz klar auch das Familienbad, wo wir jetzt noch weiter vertieft darauf eingehen. Und tatsächlich hat die Bevölkerung von Bern immer mehr zugenommen und das Baden ist zu einer immer populäreren Beschäftigung für die ganze Familie geworden. Und so wurde die von dir, Barbara, genannte Aufteilung in Geschlechter, aber auch in Familienkonzeptionen sehr kontrovers besprochen.

Genau. Stein des Anstosses war vor allem, dass das sogenannte Familienbad nicht nur überfüllt war, sondern dass es keine Badegelegenheit für Kinder gab, also für Nicht-Schwimmer - im Familienbad. Eine Mama konnte mit ihrem Sohn nicht ins Frauenbad, er durfte dort nicht rein und der Papa konnte mit seiner Tochter nicht ins "Bubeseeli". 

Gar nicht mal so praktisch.  

Gar nicht mal so praktisch für Schwimmunterricht. Und es wurde, wie es in einem Zeitungsartikel beschrieben wurde, doch als Risiko erachtet 8- bis 10-jährige Kinder, die noch nicht schwimmen konnten, einfach in die den Eltern nicht zugänglichen Abteilungen zu schicken. Also Gott sei Dank muss man sagen. Also was tun? 

Es gab viele, die sich vor allem für das Abschaffen jeglicher Schranken ausgesprochen haben. Also für das Öffnen der Badeanstalt für alle. Andere wollten allerdings, dass das Männerbad mit dem Familienbad zusammengezogen wird und sich der Rückzugsort für Männer auf den Bueber beschränke. Vor allem mit der Begründung, dass die Frauen sowieso schon dran seien, das Männerbad - Zitat -  "ganz sachte meterweise zu erobern". Die Gegenseite wiederum betonte, dass wenn sich alle an die vorhergesehene natürliche Aufteilung halten würde, gäbe es ja auch kein überfülltes Familienbad mehr, denn Vater, Mutter und Kind würden sich dort weit in der Minderheit befinden. Und so ist der Empörung einmal mit folgenden Worten Ausdruck verliehen worden. (Das bezieht sich wieder auf die Einsendung, man soll doch jetzt da alles öffnen.) "Der Herr Einsender möge einmal diese Leute dorthin beordnen, wohin sie eigentlich gehören. Die Mädchen und Töchter ins Frauenbad und die Jünglinge ins Männerbad oder ins Bubenseeli. Flugs wäre mehr als genügend Platz für die wahren Familien vorhanden." Man sieht hier schon, ledige Frauen und Männer haben sich offenbar, und es überrascht nicht einmal so fest, quasi illegalerweise ins Familienbad gelegt, um so die strikten räumlichen Geschlechtergrenzen subversiv zu untergraben.

Aber, dass das Männerbad zur Disposition stand, das hat die Gemüter hochkochen lassen. Einer schrieb in einer Leserzuschrift, es gebe im Marzili-Bad nur einen einzigen Missstand und der bestehe bestehe darin, dass weibliche Badegäste immer wieder versuchten, sich in der Männerabteilung aufzuhalten. 

Skandalös.

Skandalös. Ein anderer betonte, es gebe eben noch Männer, Jüngere und Ältere, und es seien gewiss nicht die Schlechtesten, denen sei der Trubel und der Betrieb im Familienbad einfach zu viel und die würden es vorziehen, einen Platz für sich zu haben, um sich von des Tageslast und Mühen geruhsam zu erholen. 

„Gentlemens Club“. Und gleichzeitig muss man sagen, es gab auch andere Stimmen. In anderen Zusendungen hieß es, dass sich dabei um unzeitgemässige Schranken handelte, um ein überflüssiges Überbleibsel aus einer Zeit, als der Anblick des anderen Geschlechts im Badeanzug als Todsünde gegolten hätte. Eine andere Zusendung hat die Berner:innen bei ihrer Städter:innen Ehre zu packen versucht und ihnen den Spiegel vorgehalten. Was hier durchklingt ist so ein bisschen dass der Fortschrittsanspruch der Städter:innen als Heuchlerei dargestellt wurde. Das ist auch wieder ein Zitat wert hier. "Haben nicht Bernerdörfer wie Münsingen, Muri und Worb gerissene Familienbäder geschaffen, ohne dass Männlein und Weiblein getrennt auf ihren Pritschen rösten? Wollen wir Städter, (Großstädter wäre verwegen) prüder sein als unsere Landbevölkerung?"

 Das ist schon schön, oder? Die Verknüpfung von Fortschrittlichkeit, wie du gesagt hast, mit gewissen Geschlechtervorstellungen und dem Vorwurf von der Prüderie, das geht dann schon ein bisschen an die Ehre – und wir sprechen hier von 1949.

Die Frage nach der Geschlechterordnung in Bade-Anstalten wurde nicht nur im Marzili diskutiert, sondern in der ganzen Schweiz. In der katholischen Innerschweiz ist 1947 eine Broschüre erschienen mit dem Titel „Grab der Frauenwürde“. In dieser Broschüre wurde das Gemeinschaftsbad zu den „gefahrvollsten Seuchenherden“ gerechnet, von dem ein „Heer von Bazillen in alle Adern des Volkslebens“ übergehe. Wir müssen dazu sagen, wir haben diese Broschüre nicht im Original gesehen. Sie wird aber in vielen Zeitungsartikeln in Bern zitiert und diskutiert. Wir dachten, wir sollten dieser Broschüre ein bisschen Raum geben. Denn sie ist als Quelle recht grossartig. 

Ich könnte einen ganzen Podcast über diese Quelle machen. Deshalb hier nur zwei, drei Einblicke in den reichen Schatz dieser Quelle. Dort stand z.B. drin, ganz entrüstet, dass, Zitat: „Das Hauptanliegen der Standbadbesucher ist das zügellose Sichtummeln ausserhalb des Wassers, oder noch deutlicher, ein möglichst hemmungsloser Verkehr der beiden Geschlechter, der durch das denkbar geringste Mass von Zurückhaltung gebunden ist.“ Und weiter hiess es dann: "Ein solches Bad reinigt nicht, es beschmutzt." Und super spannend fand ich, dass man dann ganz im Stil des antikommunistischen Geists dieser Zeit weitergedonnert hat – und das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: "Gewiss trägt das Gemeinschaftsbad nicht allein die Verantwortung für die sexuelle Bolschewisierung von heute."  

Sexuelle Bolschewisierung, ich meine, das ist grossartig.

Wahnsinn. "Aber es ist eine der gefahrvollsten Ansteckungsherde." Also die Badi nicht nur als Ort der moralischen Versuchung, sondern damit auch zusammenhängend als Ort der ideologischen Unterwanderung, die wieder sexualisiert begriffen wird. Und achtung, ich hoffe, dass alle Zuhörenden bereit sind für die dramatische Pointe oder den letzten Abschnitt, den ich aus der Broschüre der katholisch-konservativen zitieren möchte. Also diesem regelrechten Manifest gegen die Badi könnte man sagen. Ich zitiere also, „Ausgeschämte Weiber und lustbetörte Männer laufen doch noch gerade mehr als genug herum. Was wir brauchen, sind seelisch hochstehende Menschen, die den Trieb beherrschen, Menschen von feinster Seelenkultur. Man muss den Willen haben, sein Taufgelübde zu erfüllen: Ich widersage dem Satan und allen seinen Werken, nicht zuletzt dem Gemeinschaftsbade, dem unverfälschten Werke Satans.“

Hoppla!

Ja aber es ist schon schön, wie das alles zusammenkommt. Man hat sicher die Religion drin. Es erstaunt nicht so sehr, dass der katholische Kirchen das ein Dorn im Auge war, wenn man sich leicht bekleidet, Männlein und Weiblein, getroffen hat. Du hast es schon gesagt, der verbreitete Antikommunismus, dass man das in diese Debatte eingebettet hat. Was ich spannend fand, ist, dass man immer wieder mit Krankheitsbildern, Seuchen und Hygienebegriff operiert, aber diesen dann auf den Kopf stellt. Das Unsittliche wird zu einer Seuche, die ansteckend ist, die Bazillen ausstreut. Also dass man in diese Terminologie verfällt, das fand ich sehr spannend.  

 Ja und natürlich war den konservativen Gemeinschaftsbadgegnern v.a. die Bekleidung der Frauen ein Dorn im Auge. Die Broschüre heisst ja auch „Ein Grab der Frauenwürde“. Es wurde die Frage aufgestellt in der Broschüre, ob die Frau im Bad etwas gewinne. Ob sie im Badekleid jünger, liebenswerter und begehrter sei und ob sich ihre Chancen auf eine glückliche Ehe dadurch verbessern würde. Die Frage wurde dann auch gleich beantwortet, nämlich nein, die Frau gewinne gar nichts, im Gegenteil, sie verliere sehr viel. Und zwar sei es doch so, dass eine Frau selten ganz proportioniert und harmonisch gebaut sei, was aber unter der Alltagskleidung nicht zum Vorschein kommt, aber im Badekostüm eben schon. Und so sei es üblich, dass sich Männer im Gemeinschaftsbad in Gruppen lustig machen würden über, Zitat: „die krummen, über die schwammigen, über die X- und über die O-Beine, über alle Mängel oben und unten, über Disproportion der Glieder und des Corpus zueinander und Vieles mehr."  Den Verfassern der Broschüre war klar, der man, als der Mann, verliere die Achtung vor der Frau, wenn er sich im Badkostüm sehe, und das ausgerechnet vor der Frau, "die doch ihrer Natur nach Mutter ist oder es werden soll".

Wir müssen natürlich hier vielleicht verteidigend dazu sagen, dass wir uns nicht einfach über ältere Gesellschaften lustig machen, sondern dass das schon durchaus damals spöttisch aufgenommen wurde. Vor allem in der Zeitung "Berner Tagwacht", also dem Publikationsorgan der sozialdemokratischen Partei des Kanton Berns. Dort ist der Schlusssatz, den ich vorhin zitiert habe, aufgenommen worden. "Ich widersage dem Satan und allen seinen Werken, nicht zuletzt dem Gemeinschaftsbade." Dort hat es dann die spöttische Anmerkung dazu gehabt, dass man vor allem diesen "perversen Gemeinlingen" widersagen müsse. Also, da hat man sich auf die Katholisch-Konservative bezogen. Denn "man wünsche es keinem mit solchen mehr als nur heuchlerischen Schmutzdenkern, jemals im gemeinschaftlichen Wasser baden zu müssen." Also man hat das durchaus auch umgedreht. Und man sieht - die Debatte war hitzig. 

Die war echt hitzig. Aber sonst war es relativ ruhig in Bern, was Badebekleidung anbelangte. Offenbar waren sie da relativ entspannt. Es gibt wenig Zeitungsartikel oder zumindest sind uns nur wenige begegnete, die das anprangern. Zumindest bis Ende der 1970er-Jahre, weil dann, 1978, haben die Justizbehörden entschieden, dass das Entblössen der weiblichen Brüste in Freibädern fortan nicht mehr zwingend als schwere Missachtung des Sittlichkeitsgefühls zu verfolgen sei. Das Berner Obergericht hat dem Polizeikommando geraten, Frauen mit oberteillosen Badekleidern nicht mehr von Amtes wegen zu verfolgen.

Das hat sofort Auswirkungen gezeigt. Insbesondere das Marzili wurde im Sommer 1978 zum regelrechten Mekka für Frauen, die oben ohne baden und sich gesonnt haben. Und natürlich auch für die, die diese Frauen sehen wollten. Das Marzili ist dann so schweizweit in den Schlagzeilen aufgetaucht. Auch das wieder eine andere super spannende Geschichte, die wir ganz sicher in einer anderen Podcast-Folge noch vertiefter aufnehmen. 

Definitiv. 

Also Berner und Bernerinnen relativ entspannt hinsichtlich der Sittlichkeit und Bademode. Was aber immer wieder aufkommt, ist... ist ja auch ein bisschen eine Selbstidentität der Berner:innen: Diese Genügsamkeit, Bodenständigkeit, die ist eben auch in Kleiderfragen immer wieder perpetuiert worden. In einem Artikel stand z.B. die Badenden würden sich recht natürlich kleiden, ohne übertriebenen Luxus. Von dem Badekleider Raffinement, welches in anderen Bädern vorherrsche sei in Bern wenig zu sehen. Das war ein Artikel von 1930. Der gleiche Artikel erzählt, dass eine Berner Firma im Marzili Werbung für ihre Bademäntel und Mannequins diese habe vorführen lassen. Aber der gesunde Sinn der Berner habe sich gegen das Geschäft aufgelehnt. Zitat: “Soll nun das Natürliche und Demokratische durch Kleiderluxus verloren gehen? Soll man jetzt Unterschiede kennen lernen: die und die Dame, oder auch Nicht-Dame, kann sich den feinsten Bademantel leisten, das gewöhnliche Volk eben nicht?“ Also wir sind alle gleich und müssen uns nicht durch Kleiderraffinement voneinander abgrenzen.

Ja, vielleicht ist es nicht super erstaunlich, dass gerade die "Berner Tagwacht" als sozialdemokratische Zeitung in so ein Horn gestossen hat. Vielleicht etwas überraschender ist es, dass auch "Neue Berner Zeitung", also das Publikationsorgan der BGB, später SVP, eigentlich mit ähnlichen Worten und Argumenten um sich geschlagen hat. Die hat nämlich 1956 gemeint, dass in den Badis Frauen und Mädchen gerne mit dem jüngsten Modeschrei oder einem neuen Bade-Kostüm würden brillieren. Aber in der Berner Badi sei das anders. Sie haben zwar nicht das Prestige wie Cannes oder Nizza, weil, ich zitiere: "Die rechte Bernerin sich dem Auffallenden oder Zugewagten gegenüber eher passiv verhält."

Ich habe hier aber noch kleine Anekdote. Von meiner Grossmutter, Barbara. Und zwar unterstreicht diese Geschichte eher das Zitat, das du vorher gebracht hast. Sie hat nämlich anfangs der 1950er Jahren die inoffizielle Badimode in Bern als persönlich viel zu prüde empfunden. Sie meinte auch zu mir, dass man in den Läden in Bern einfach schlichtweg nichts anderes gefunden habe, es sei nichts anderes verkauft worden. Wobei sie damals natürlich in der Ausbildung zur Lehrerin im Seminar war und dementsprechend auch eine ganz bestimmte Auswahl an Läden hatte, die eher günstige Sachen verkauft haben. Ihre Lösung war, dass sie die Kostüme, die dort angeboten wurden, im Rücken tiefer mit der Schere ausgeschnitten hat. Du kannst dir vielleicht vorstellen, wie sich so ein Stoff verhält. Bei jedem Sprung in die Aare ist der Rückenausschnitt immer noch tiefer geworden.

Also darum - wahrscheinlich hat das weniger etwas mit der intrinsischen Sittsamkeit der Berner Frau zu tun gehabt, wie das vielleicht in der "Neuen Berner Zeitung" stand, sondern doch eher etwas mit Klasse, was man sich leisten konnte und was nicht.

 Wunderbare Geschichte. 

Wir kommen nun zu einem zentralen Charakteristikum vom Marzili. Es ist nämlich gratis, man zahlt keinen Eintritt. Das wird in den Zeitungsartikeln immer wieder als Mehrwert hervorgehoben. Beispielsweise in "Der Bund" von 1954. Das sei eine sichtbare Entschädigung für die Steuern, die man zahlt. Bereits 1915 hat auch "Der Bund" davon gesprochen, dass keine Selbstverständlichkeit sei, dass man solche Anlagen zum Schwimmen und Baden zur Verfügung habe, wie es in Bern der Fall sei. Und dass für die in Bern sehr hohen Steuern doch auch Vorteile geboten wären.

 Das hat sich vor allem anfangs der 1990er-Jahre, als sich die Stadt Bern mit einer sehr prekären Finanzlage konfrontiert sah, abgezeichnet. Als überlegt wurde, ob das Baden nur  noch für die Leute gratis sein sollte, die in Bern wohnhaft sind. Also ob Auswärtige Eintritt bezahlen sollen. Da war der Widerstand allerdings sehr gross. Ich finde das kommt sehr schön in einem Lesenbrief im Bund zum Ausdruck, der davon spricht, dass dies eine riesige Provokation sei, die man nicht einfach so hinnehmen werde, man werde sich gruppieren, Unterschriften sammeln und wenn nötig in Badehosen vor den Gemeinderat treten.

Wenn nötig würde man so weit gehen.

 Schade, dass das nie zustande gekommen ist. Aber trotzdem hat dieser Wille, die Protestform und die vehemente Abwehrhaltung Wirkung gezeigt, weil das Marzilli ist bis heute gratis.

Gerade, dass kein Eintritt bezahlt werden muss, wurde quer durch die Jahrzehnte als Argument dafür verwendet, dass das Marzili das demokratischste Bad der Welt sei. So die "Berner Tagwacht" 1930. Denn da würden alle zusammenkommen, Lehrer, Schüler, Meister, Lehrbub, Direktor oder noch etwas blumiger, in einem Artikel von 1955: "Draussen vor dem Eingang zum Aarebad stehen grosse Limousinen friedlich neben bescheidenen Motorrollern und Fahrrädern und bekunden damit schon am Eingang, was einen wesentlichen Zug unseres Stadtbades ausmacht. Demokratie ist hier Trumpf.

Die demokratisierende Aspekte des Marzili können auch wieder an der Kleiderfrage festgemacht werden. Mit hat dann quasi gesagt, weil sich alle von ihren Badekleidern entledigen, seien sie nicht mehr voneinander zu unterscheiden. Also dass man mit dem Ablegen der Kleider und alle sozialen Hierarchisierungen ablegen würde. Hier wieder ein schöner "Tagwacht"-Artikel von 1977, der ganz klar beschrieben hat, dass ""in Badeanzügen Offiziere, Bankdirektoren, Facharbeiter, Doktorsfrauen, Putzfrauen, Verkäuferinnen nicht mehr voneinander zu unterscheiden seien. Man könne höchstens noch aus Gesprächen feststellen, ob es sich um junge Juristen handle oder um Coiffeusen, die sich an der Sonne bräunen.

Ist ja auch wunderschön, welche Berufe mit den jeweiligen Geschlechtern verknüpft sind. Offizier, Bankdirektor, Facharbeiter. Dann gibts Putzfrauen, Verkäuferinnen, Coiffeusen und Doktorsfrauen. Also, das sind ja die Frauen von Doktoren und nicht doktorierte Frauen. Nehm ich mal an.

Natürlich. Und die bräunen sich auch nur, sie setzen sich nicht einer sportlichen Betätigung aus. Eine weitere wunderbare Quelle in diesem Zusammenhang ist aus der "Neuen Berner Zeitung" von 1933. Hier müssen wir uns vielleicht schnell auf das Datum achten, denn das ist ganz wichtig beim Inhalt und bei der Interpretation des Inhalts.

Ich zitiere: "Der Herr Generaldirektor scheut sich nicht seinen schief gewachsenen Wampenbauch mit der omelettengrosse Warze zu zeigen. Droben in der Stadt, da rollsroißt er pferdig herum, aber hier unten trennt ihn nichts von seinen Mitmenschen.” Und im gleichen Artikel heißt es weiter: "Ein gesunder Volksschlag treibt sich dort", also im Marzilli, "herum. Bis ins Mark hinein demokratisch ist er. Zwar sah man auch schon eine Dame, die auf einer Pritsche an einem Hakenkreuz herumstickte. Indes hätte sie genauso gut irgendeinen Sowjetstern handarbeiten können. Niemand kümmert sich weiter darum. Die Sonne macht alle und alles gleich."

wow, 1933.

 Yep. 

Ja aber die Frage ist ja, sind wir alle gleich in der Badi, also hat es quasi einen egalisierenden Effekt, wenn wir alle keine Kleider mehr anhaben? Oder nur noch ganz wenige Kleider tragen?

Hm.

 Ja, also das kann man natürlich ganz unterschiedlich betrachten, aber ich denke schon, was dagegen spricht, dass natürlich sehr viele soziale Distinktionsfragen ja gerade an die Körper gebunden werden. Gerade zum Beispiel wenn wir an Rassismus denken, aber auch wenn wir an Sexismus denken oder an Disability denken, dass sie auch als Körperfragen. Ich meine, etwas was wahrscheinlich für alle nachvollziehbar ist, ist dass gerade während dem Jugendalter der Weg in die Badi ein furchtbar schlimmer ist. Dort würde ja das Körperliche, sehr deutliche in dieser körperlichen Entwicklungsphase, zum Beispiel.

Ja absolut. Es gibt verschiedene Artikel oder Forschungen, die sich damit auseinandersetzen, wie sich der aktuelle Körperkult auf gesellschaftliche Ausgrenzungsprozesse von Körper die nicht oder nicht mehr jugendlich fit und ideal sind auswirkt. Wobei ich das auch relativieren würde. Ich weiss nicht, ob es in früheren Generationen so anders war.

Also eben, wir lachen darüber, wenn es in einem Artikel von einem Wampenbauch mit Omelettgrossenwarzen beschrieben wird. Aber die Blicken auf den „Anderen“ und die anderen Körper, die hat es ja immer gegeben.

Und geht's bis heute? Oder?

Und gibt es bis heute. Und da war ja immer eine gewisse Normativität damit verbunden, wie ein Körper auszusehen hat. Und damit eben auch immer Abweichungen davon, die dann keinen Platz hatten. 

Ja also eben dort, wo das ganze Körperliche wirklich visuell fassbar wird und wo eben auch effektiv ausgrenzt werden kann was nicht am idealen, sportlichen, jugendlichen, normativen, fitten Körper entspricht.

Ja, genau.

Ja, ich finde, der Philosophe und Soziologe Richard Sennett hat das schön auf den Punkt gebracht, als er sagte, dass man in einem öffentlichen Raum, der ja allen zugänglich ist, theoretisch, immer dem prüfenden Blick aller anderen Menschen ausgesetzt ist. Man ist gleichzeitig Beobachter und Beobachteter. Man kann wie anonym in der Masse verschwinden, kann sich mit einer Gruppe identifizieren, es hat etwas Gemeinschaftliches. Aber man muss natürlich auch immer sehen, dass nie wirklich alle Teil dieser Gemeinschaft, dieses Kollektivs, sind. Einige sind beteiligt, andere werden ausgegrenzt.

Ja, das geht so ein bisschen in eine ähnliche Richtung, was auch der Stadtsoziologe Walter Siebel angesprochen hat. Dass der öffentliche immer auch ein exklusiver Raum ist. Er betont, dass es noch nie und in keiner Stadt einen öffentlichen Raum gegeben hätte, der für alle identisch zugänglich wäre. Oder wo alle identisch darin repräsentiert worden wäre. So haben wir eben immer auch sehr aktiv Minderheiten, auch symbolisch, Präsenz verweigert oder verboten. Also ein gutes Beispiel sind ja hier im schweizerischen Kontext die Minarette in der Öffentlichkeit. Und da stellt sich die Frage, ob man das auch in einer Badi beobachten kann.

 Ja, auf jeden Fall. Ein wunderbares Beispiel ist die ganze Burkini-Debatte, die 2017 sehr hitzig und auch international geführt wurde. Alle mittel-europäischen Länder waren Teil davon. Es zeigt sich sehr schön, dass im Umgang mit dem Körper religiöse und kulturelle Unterschiede kristallisieren und es sehr schnell zu Diskriminierungen und zur Exklusion kommt aufgrund unterschiedlicher Körperpraktiken.

Und Kleidungspraktiken. Zuerst wollte man wahnsinnig lange den Frauen vorschreiben, dass sie mehr angekleidet sein sollten. Und dann plötzlich schrieb man ihnen vor, dass sie sich ausziehen sollen. Ein anderes Beispiel für eine Ausschluss- und Exklusion wäre das vom Kanton Appenzell von 2012. Dort hat das Mineral- und Heilbad im Kanton Appenzell fünf Kinder mit geistiger und körperlicher Behinderung den Zugang verwehrt,  mit der Begründung, dass ihre Anwesenheit die anderen Gäste stören würd und es sei für diese eine regelrechte Zumutung. Es haben dann unterschiedliche Behindertenorganisationen daraufhin eine Klage eingereicht. Und die wurde 2017, also fünf Jahre später, gutgeheissen.

Schon krass, oder? 2012!

Hm.

 Also eben, die Badi als öffentlicher Raum, der freien Zugang für alle verspricht, ist vor allem eine Utopie. Das ist ein Wunschbild. Viel realistischer ist, dass sich in diesem öffentlichen Raum alle gesellschaftlichen Konflikte auf kleinstem Raum widerspiegeln. Jetzt konkret auf das Marzilli bezogen, um mal wieder auf das Marzilli zurück zu kommen, finden sich neben der bereits erwähnten Anordnung der Badenden nach Geschlecht immer wieder Diskussionen, wie denn der verfügbare Platz genutzt werden darf und von wem. Darf man Ball spielen, wie viel Lärm gemacht werden und so weiter. Gerade auch der Generationenkonflikt zwischen älteren und jüngeren Badenden – das zieht sich eigentlich durch das gesamte 20. Jahrhundert durch. 

Aber ja nicht nur der Generationenkonflikt, sondern auch Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen. Gerade seit den Nullerjahren wird in den Zeitungen auch zunehmend über gewalttätige Auseinandersetzungen berichtet in diesem Zusammenhang. Und in diesem Zusammenhang kommt ja auch immer wieder die Frage nach dem Gelingen oder Nicht-Gelingen der, in Anführungs- und Schlusszeichen, „Integration“ ins Spiel. Vielleicht ist hier ganz spannend, wenn wir jetzt zurückschauen in die historischen Quellen, dass das absolut kein neues Phänomen ist. Zum Beispiel hat die Schulkommission Lorene 1884 regelmässiges Schulbaden angeordnet. Da muss man allerdings sagen, dass es damals noch gar keine Badeanstalt für das gegeben hat.

Also im Marzilli schon, aber die Schulkinder aus der Lorene durften nicht in Marzilli.

Genau. Aber selbst für die aus der Lorene hatte es nicht genug Platz, in Anführungs- und Schlusszeichen. Weil sie haben dann vor allem in der freien Are, in den Kies- und Sandbänken, also zwischen den Inseln gebadet. Und diese waren so begehrt, dass es dann zunehmend zu regelrechten Revierbrüglereien zwischen den Längasse und den Lorenen-Buben geführt hat. Und viele sind dann wirklich mit schmerzhaften blauen Flecken ausgegangen und die Polizei musste wiederholt einschreiten. Also die ganze Diskussion über Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen ist durchaus nicht etwas Neues, sondern hat eine sehr lange geschichtliche Vergangenheit.

Absolut. Das zeigt auch Historiker Bodo Mrosek im Podcast des Deutschlandfunk Kultur auf, wo er zeigt, dass Jugendgewalt in 1950er-Jahren in Schwimmbädern international ein grosses Phänomen gewesen ist. Also absolut nichts Neues und dass es auch nicht auf die Frage der „Integration“, in Anführungs- und Schlusszeichen, reduziert werden kann.

Ja und vielleicht noch eine letzte Konfliktlinie, die neueren Datums ist, die wir hier gerne noch thematisieren möchten, ist 1989 entbrannt. Es gab sie schon vorher, aber ab diesem Zeitpunkt gibt es ein paar Beispiele dazu. Und zwar hat ein Mann im Marzilli-Anstoss daran genommen, dass sich zwei Männer geküsst und sich gegenseitig mit Sonnencreme eingerieben haben. Er hat sie dann mit massiven homophoben Beschimpfungen beworfen und gemäss der Angaben der beiden Angegriffenen sogar körperlich aggressiv versucht zu verletzen. Und sie haben dann daraufhin wirklich auch mit Anzeige reagiert.

Und der Fall kam dann auch vor Gericht.  Und zumindest in der Presseberichterstattung über diese Gerichtsfall ist eben schon auffällig, wie in der Zeugenvernehmung von verschiedenen Personen, also z.B. von der Ehefrau, vom angeschuldigten Mann, der körperlich aggressiv geworden ist, aber z.B. auch vom Badmeister, immer wieder betont worden ist, dass das Marzilli ein Familienbad sei, man wolle Kinder nicht  solchen Szenen aussetzen. Man müsse Kinder vor solchen Anblicken schützen. Also eben, und wir sprechen immerhin von 1989.

Wobei man sich in der Schweiz auch wieder in Erinnerung rufen muss, dass das Antidiskriminierungsgesetz erst 2018 durch das Parlament um das Element der sexuellen Orientierung erweitert worden ist und erst 2020 – ich schäme mich ein bisschen, dass zu sagen – durch das Stimmvolk genehmigt wurde. Da hatte man natürlich auch keine Rechtsbasis. Also, ja, man konnte reagieren auf die körperliche Tätlichkeit und Beschimpfung, aber man hatte eigentlich kein Antidiskriminierungsgesetz, das hätte herangezogen werden können. Also, wrapping up, auch hier wieder die umstrittene Frage, wer sich im öffentlichen Raum zeigen darf, wer sichtbar sein darf und gleichzeitig – und ja, wir haben in der Geschichte immer wieder Gleichzeitigkeiten, das zieht sich wie eine DANN hindurch –  ist der sogenannte Bueber im Marzilli, also der Bereich, der für Männer reserviert war, auch ein wichtiger Ort für die schwule Community. Man hat ihn dann auch Zwetschgengrill genannt, also Zwetschgen als unter schwulen Männern die übliche Bezeichnung für feminin auftrettende homosexuelle Männer. Und die homosexuelle Arbeitsgruppe Bern, also heute das hab queer bern, hat dann Anfang der 1980er Jahre sogar einen Film mit diesem Titel gedreht.

Also Zwerchgegrill.

Genau. Und weil dann der Bueber – der ist übrigens 2019 saniert und für alle geöffnet worden – ein wichtiger Treffpunkt für das schwule Bern gewesen ist, endet zum Beispiel auch der Stadtrundgang durch das queere Bern (übrigens angeboten von StattLand Bern) im Marzilli.

Und in diesem Stadtrundgang werden anhand von gespielten Szenen Einblicke vermittelt in die queere Geschichte von Bern. In der Schlussszene im Marzilli, in dieser sagt der Darsteller, dass sich mit der Öffnung des Buebers dieser auch heteronormalisiert habe. 

Also hier sind wir wieder zurück bei unserem Ausgangspunkt: Raum, Platz für wen ist er offen, wer darf dort sein und dass halt das Öffnen für alle oder das Egalisierende, auch wieder unterschiedlich gedeutet werden muss – weil es je nachdem marginalisierten Gruppen auch einen Safe Space entziehen kann.

Ja, die Badi ist ein gesellschaftlicher Mikrokosmos. Es ist nicht nur ein Ort, wo man zusammenkommt, sondern wo eben auch alles zusammenkommt. Also alle gesellschaftlichen Prozesse, Auseinandersetzungen, Spannungen, Konfliktlinien – und das auf kleinstem Raum eigentlich. Damit erscheint klar, dass gerade die Frage, wer

diesen Raum wie einnehmen darf, wer sichtbar sein darf, wer nicht, dass das immer wieder zu Auseinandersetzungen und zu Konflikten führt.

Also ein ganz klassisches Beispiel dafür, wie Inklusion, Exklusion, Abgrenzung auch wieder über Fragen der Macht ausgehandelt werden. Wer darf entscheiden, wer in welcher Form wie sichtbar sein darf?

Man könnte zu jeder einzelnen dieser Geschichten einen eigenen Podcast machen. Und wir hatten noch mindestens zehn andere Geschichten aus dem Marzillis zu erzählen.

Zum Beispiel haben wir noch gar nicht über einen sehr wichtigen Aspekt gesprochen: wie es etwa dazu gekommen ist, und wann, dass wir jetzt auch Pommes und Eiscreme bekommen in der Badi.

Oder eine Milch. Weil in den 1950er Jahren hat man nämlich versucht den Absatz von pasteurisierter Milch zu fördern und den Gesamtverbrauch an Milch in der Schweiz zu steigern – also im Kontext der sogenannten Milchschwemme in der Schweiz. So hat man Milch eben auch in Badanstalten abgesetzt. Zum Beispiel 1953 sind im Marzilli über 1'000 Liter Milch am Tag verkauft worden.

 Na dann prost! Über 1000 Liter! Eine ganz andere spannende Frage wäre der Aspekt des Klimas gewesen. Auch das haben wir nicht berührt. Also ab Beginn der 1970er Jahre sind natürlich zunehmend in den Zeitungen Artikel gedruckt worden, die von neuen Hitze- und Wassertemperaturrekorden überflutet worden sind. Das kennen wir ja bis heute. Das ist ja dann auch eine Frage, die uns in Zukunft beschäftigen wird: Wir werden tendenziell eher mehr Abkühlung brauchen und gleichzeitig wird das Wasser knapp.

 Und die Bevölkerung wächst immer mehr. So, jetzt machen wir aber einen endgültigen Schlusspunkt.

Ja, zumindest für diese Woche. Nächste Woche sprechen wir mit der Historikerin Sarah Baumann – und zwar zum Thema Sexarbeit in der Schweiz in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ein weiteres wahnsinnig spannendes Thema.

Ja, hiermit hat diese Reise, diese Zeitreise offiziell gestartet – wir freuen uns! Von jetzt an jede Woche wieder. Falls ihr Spass habt an den Inhalten, die wir hier erzählen und findet: doch, das soll noch einen kleinen Moment weitergehen, die machen das eigentlich nicht so schlecht – dann dürft ihr uns sehr gerne unterstützen, wir haben ein Steady Profil, dort kann ein Abo abgeschlossen werden, so dass wir jeden Monat ein bisschen Geld aufs Konto bekommen. Wir würden uns natürlich sehr über eine Unterstützung freuen! 

Merci vielmal! Wir sind super gespannt, wo diese Reise hinführen wird.

Merci vielmal – und bis nächste Woche!